Gesellschaft

Wirtschaftsrat warnt Landesregierung: Anstachelung zur fortgesetzten Schulstrukturdebatte ist bildungspolitischer Irrweg

14.12.2012

Wirtschaftsrat der CDU e.V. | Schleswig-Holstein Kiel: Angesichts verschiedener Ankündigungen der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin, die Lehrerausbildung schulartübergreifend zu vereinheitlichen, warnt der Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein die Landesregierung eindringlich:
„Vor dem Hintergrund der offenkundigen Qualitätsmängel in unserem Schulsystem ist die Anstachelung zur fortgesetzten Schulstrukturdebatte ein bildungspolitischer Irrweg.“, so der Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates der CDU e.V. für Schleswig-Holstein Dr. Philipp Murmann. „Die Zielvorstellung einer Einheitsschule mit Einheitslehrern für Einheitsschüler ist eine ideologische Utopie. Um der Vielfalt unserer Schülertalente gerecht zu werden, brauchen wir eine Vielfalt von Schularten und Unterrichtsformen sowie entsprechend differenziert ausgebildete Lehrer.“, so Murmann.

Der Wirtschaftsrat fordert die Landesregierung auf, die eklatanten Qualitätsmängel im Schulsystem zu beseitigen. Schleswig-Holstein brauche glaubwürdige Konzepte, wie der dramatische Unterrichtsausfall kurzfristig abzustellen sei, wie eine konsequente Fort-und Weiterbildung der Lehrkräfte sichergestellt werden könne und wie die bauliche und fachliche Schulinfrastruktur flächendeckend zu modernisieren sei. Wer angesichts dieser sichtbaren Qualitätsmängel jetzt in die Einheitsschule investiere, raube dem System wichtige Kräfte und fordere innere Widerstände in der Trägerschaft des Systems heraus.

Die gerade erst umgesetzten Reformen von Gesamt-zur Gemeinschaftsschule und Haupt-und Real-zur Regionalschule egalisieren bereits differenzierten Unterricht nach Leistungsklassen. Heterogene Schulklassen verlangen einen stärker individualisierten Unterricht. Die Lehrkräfte stoßen mit der Integration fremdstämmiger Schüler und der Inklusion von Schülern mit Behinderungen schon jetzt an ihre Grenzen. Eine Vereinheitlichung der Lehrersausbildung trage in keinster Weise zur Lösung dieser Glaubwürdigkeitsprobleme bei. Sie bedrohe jedoch das fachliche Niveau der Studienräte an den Gymnasien in Schleswig-Holstein. „Ohne eine gezielte Ausbildung unseres studierfähigen Nachwuchses zerstören wir das Fundament unseres Universitäts-und Exportstandortes. Eine Einheitslehrerausbildung blockiert eine leistungsgemäße Talententwicklung.“, so Murmann.

Obgleich die schleswig-holsteinischen Gymnasien im ersten PISA-Ländervergleich bundesweit an der Spitze noch vor Bayern lagen, ist eine Weiterentwicklung der gymnasialen Lehrerausbildung ständig geboten. Der Wirtschaftsrat empfiehlt hierzu, auch die Ausbildung der Gymnasiallehrer durch einen frühzeitigeren Praxisbezug anzureichern. Der Wandel hin zu einer dualen Lehrerausbildung sei schulartübergreifend wünschenswert.

Der Wirtschaftsrat widerspricht zudem der Auffassung, daß heterogene Schulklassen soziales Verhalten besonders fördern oder einen besseren sozialen Ausgleich schaffen. „Wer den Einheitslehrer will, versündigt sich vor allem an unseren herausragenden Talenten und fördert dadurch private Eliteschulen, die bislang traditionell eher außerhalb von Deutschland zu finden sind. Im Kern ist die bildungspolitische Einheitsideologie nicht nur leistungs-und standortfeindlich, sondern auch zutiefst unsozial gegenüber leistungsfähigen Schülern, die sich teure Privatschulen nicht leisten können.“, so Dr. Murmann abschließend. (Pressemeldung vom 13.12.2012) 

Quelle: Wirtschaftsrat Landesverband Schleswig-Holstein | Foto: Wirtschaftsrat SH
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