Wirtschaft

Westmecklenburg: An der Steuerschraube gedreht: Gewerbesteuern steigen weiter

07.11.2017

IHK zu Schwerin Schwerin: Ab sofort stellt die IHK zu Schwerin den aktuellen „Realsteuer-Atlas Westmecklenburg 2017“ kostenlos zur Verfügung. 
 
Gewerbesteuerhebesätze stark gestiegen 
Grundsätzlich ist jeder im Inland ansässige Gewerbebetrieb verpflichtet, Gewerbesteuer auf seinen Gewerbeertrag abzuführen. Nach dem Einkommenssteuergesetz (EStG) ist ein Gewerbebetrieb jede selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt. Als ein Gewerbebetrieb zählt nicht die Betätigung als land- und forstwirtschaftlicher Betrieb, die Ausübung eines freien Berufes oder eine andere selbständige Tätigkeit. 
 
Im Jahr 2017 beträgt der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz für die Region Westmecklenburg 334,88 Prozent. Damit liegt er über dem Vorjahreswert von 328,12 Prozent. Insgesamt erhöhten 61 Gemeinden im Jahr 2017 ihre Hebesätze. Die größten Erhöhungen nahmen in diesem Jahr die Gemeinden Königsfeld (140 Prozentpunkte), Kalkhorst (100 Prozentpunkte) und Glasin (90 Prozentpunkte) aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg vor. Die Spitzenplätze belegen weiterhin die Hansestadt Wismar mit 450 Prozent und die Landeshauptstadt Schwerin mit 420 Prozent, gefolgt von den Gemeinden Alt Zachun, Redefin und Cambs mit 400 Prozent. 
Alle weiteren Städte und Gemeinden der Region Westmecklenburg haben den Hebesatz auf ≤ 385 Prozent festgelegt. Die niedrigsten Hebesatz von 200 Prozent haben die Gemeinden Rögnitz und Dragun (Landkreis Nordwestmecklenburg) zu verzeichnen. 
„Viele Gemeinden teilen mit, dass sie seitens des Innenministeriums MV zur Anhebung der Gewerbesteuerhebesätze quasi gezwungen werden. Das ständige Drehen an der Steuerschraube ist für die Wirtschaft in Westmecklenburg ein unhaltbarer Zustand. Bereits durch die gute Konjunktur werden aufgrund der steigenden Gewerbeerträge zusätzliche Steuereinnahmen in die kommunalen Kassen gespült“, mahnt Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin. 
 
Grundsteuer 
Die Grundsteuer gehört ebenfalls zu den Realsteuern. Steuerobjekt bei der Grundsteuer ist der Grundbesitz. Dabei werden zwei Steuern unterschieden: 
  1. Grundsteuer A (land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke)
  2. Grundsteuer B (sonstige genutzte Grundstücke). 
Den geringsten Hebesatz der Grundsteuer A in Höhe von 200 Prozent erheben in diesem Jahr lediglich 7 Gemeinden in Westmecklenburg. Der höchste Hebesatz liegt auch in diesem Jahr bei 900 Prozent und wird von den Gemeinden Kirch Jesar, Warlitz, Pritzier und Hülseburg erhoben. 
Bei dem Hebesatz der Grundsteuer B ist die Landeshauptstadt Schwerin mit einem Hebesatz von 630 Prozent wieder Spitzenreiter. Der niedrigste Hebesatz liegt in diesem Jahr erneut bei 300 Prozent und wird von lediglich 14 Gemeinden erhoben. 
„Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin setzt sich auch weiterhin für die völlige Abschaffung der Gewerbesteuer ein, wobei den Gemeinden andere Steueranteile als Äquivalent zugestanden werden müssen. Nur durch die vollständige Abschaffung der Gewerbesteuer kann sich die deutsche Wirtschaft von einem bedeutenden negativen Standortfaktor befreien, um somit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft sichern zu können.“, so Siegbert Eisenach weiter. 
 
Der 88-seitige Realsteuer-Atlas beinhaltet die Landkreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim sowie die kreisfreie Landeshauptstadt Schwerin. Die ausführliche Übersicht des Realsteuer-Atlas zeigt sowohl die Hebesätze für die Grundsteuer als auch die Hebesätze für die Gewerbesteuern der entsprechenden Städte und Gemeinden auf. 
 
Gerade für Existenzgründer ist diese Dokumentation eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Standortsuche. Doch auch bereits ansässige Unternehmen bekommen hiermit eine aktuelle Argumentationshilfe in die Hand, um bei ihren gewählten Kommunalpolitikern die Entwicklung im Bereich der Gemeindefinanzen zu hinterfragen. Zudem dient sie den wirtschaftlich verantwortungsvoll denkenden Kommunalpolitikern als wichtige Entscheidungshilfe bei der Absenkung der Hebesätze. (Pressemeldung vom 06.11.2017)
Quelle: Industrie- und Handelskammer zu Schwerin | Foto: IHK Schwerin
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