Wirtschaft

P + S Werften: Vorläufiger Insolvenzverwalter hat erste Kaufangebote erhalten

20.10.2012

Stralsund | Wolgast: Gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern und den Vertretern von Betriebsrat und IG Metall muss es gelingen, die Transfergesellschaft für alle 1.750 Mitarbeiter der P+S WERFTEN zu realisieren. Die Transfergesellschaft soll ihre Arbeit zum 1. November 2012 aufnehmen und ist auf ein Jahr, also bis zum 31. Oktober 2013, angelegt. Es ist das Ziel, die Mitarbeiter dort auf neue Aufgaben vorzubereiten, damit sie anschließend in interessierte Unternehmen wechseln können. Während dieser Zeit erhalten die Mitarbeiter Transferkurzarbeitergeld in Höhe von bis zu 67% plus eine Aufstockung von 9% vom ehemaligen Monatsbruttoentgelt. Der Gläubigerausschuss hat seine Zustimmung erteilt.
 
Grundlagen für die Gründung der Transfergesellschaft sind die Zusage der Landesregierung, ein Darlehen in Höhe von 25,2 Mio. € zu gewähren, ein zwischen den P+S WERFTEN und dem Gesamtbetriebsrat geschlossener Interessenausgleich über einen Personalabbau an beiden Standorten sowie eine Betriebsvereinbarung zur Durchführung des Transferprojekts. Die erwarteten Kosten in Höhe von 25,2 Mio.€ setzt sich aus 17 Mio. € an Remanenzkosten (tarifliche Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, Sozialversicherungsbeiträge, weitere Entgeltbestandteile, die in voller Höhe erhalten bleiben, zum Beispiel Weihnachts- und Urlaubsgeld), 7,2 Mio. € an Aktiv- und Strukturkosten sowie 1 Mio. € zur Absicherung des Verbleibs der Auszubildenden auf den Werften für sechs Monate zusammen.
 
Zurzeit werden mit allen Mitarbeitern auf den Werften in Stralsund und Wolgast persönliche berufliche Profile erarbeitet. In der kommenden Woche werden alle Mitarbeiter ein Angebot erhalten, von der P+S WERFTEN GmbH in die Transfergesellschaft zu wechseln.
 
Vorgesehen ist eine individuelle Laufzeit von mindestens sechs Monaten. Die Eintritte werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen:
  • Alle 1.260 Mitarbeiter auf der Volkswerft in Stralsund werden ein Angebot erhalten, zum 1.11.2012 in die Transfergesellschaft zu wechseln. Ein Kernteam von100 Mitarbeitern aus den Zentralfunktionen der Werft sowie etwa 100 Konstrukteure werden auf der Volkswerft weiterarbeiten und ein Angebot erhalten, zum 1.5.2013 in die Transfergesellschaft zu wechseln.
  • Alle 490 Mitarbeiter der Peene-Werft in Wolgast erhalten ebenfalls ein Angebot.Da aber Aufträge bis April 2013 vorliegen, werden die Mitarbeiter abschnittsweise wechseln: 110 Mitarbeiter werden ein Angebot erhalten, zum 1.11.2012 in die Transfergesellschaft zu gehen, weitere 89 Mitarbeiter zeitlich gestaffelt zwischen dem 1.12.2012 und 1.4.2013 und 291 Mitarbeiter zum 1.5.2013.
  • Auch für alle 156 Auszubildenden konnte eine Regelung gefunden werden: Sie sollen zunächst für sechs Monate weiterbeschäftigt werden, um ihre Ausbildung fortzusetzen. Parallel dazu wird an einer langfristigen Lösung gearbeitet.
  • Rund 100 Mitarbeiter der beiden Werften, die sich in Altersteilzeit befinden, müssen in die Arbeitslosigkeit gehen, da es für sie leider keine andere Lösung gibt. Weiteren rund 40 Mitarbeitern, die sich noch nicht in der Freistellungsphase befinden, wird ein Angebot zum Wechsel in die Transfergesellschaft unterbreitet



Aktueller Stand der Aufträge
Der Gläubigerausschuss stimmte einer vom vorläufigen Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann vorgeschlagenen kommerziellen Einigung mit der Schwedischen Küstenwache zu. Er wurde beauftragt, die Schlussverhandlungen zu führen und Verträge zu schließen. Die beiden bestellten und auf der Peene-Werft gebauten Küstenwachschiffe können dann vollendet worden, da sicher ist, dass die notwendigen Arbeiten auch bezahlt werden. 

Die Ablieferungen sind für Februar bzw. März 2013 vorgesehen.
 
Bei den weiteren Schiffsneubauten gab es keine neuen Regelungen; die bisherigen Aufträge bergen Risiken und können daher von der Insolvenzverwaltung nicht erfüllt werden. Der Grund: Die Besteller könnten die Schiffe wegen Ablieferungsverspätung zurückweisen. Die Kündigung der zwei bestellten RoRo-Spezialtransporter durch die Reederei DFDS erfolgte aus Sicht des vorläufigen Insolvenzverwalters allerdings unberechtigt. Gespräche mit der Reederei wurden fest vereinbart, obwohl die Positionen weit auseinanderliegen.
 
Für den Weiterbau an einem Offshore-Konstruktionsschiff (Offshore Construction Vessel) hat der vorläufige Insolvenzverwalter einen Massekreditantrag gestellt, den das Land Mecklenburg-Vorpommern entgegengenommen hat. Erste Signale der EU-Kommission deuten allerdings darauf hin, dass Brüssel sich nicht in der Lage sieht, hierfür eine Beihilfe zu genehmigen.
 
Die beiden von der Reederei Scandlines bestellten RoPax-Fähren gehören der P+S Werften GmbH, sie sind mit Schiffshypotheken belegt. Die Werft erwartet Vorschläge von Scandlines, nachdem sie alle Unterlagen an die Reederei übermittelt und die Schiffe von Scandlines beauftragten Spezialisten zugänglich gemacht hat. Die Besichtigung der RoPax-Fähren hat nach Aussage von Scandlines ergeben, dass beide Schiffe wesentlich umgebaut werden müssen. Der Besteller prüft nun, ob und wie er agieren möchte. Der vorläufige Insolvenz-verwalter verhandelt weiter. Sein Ziel ist es, die Schiffe auszuliefern.
 
Die von der Peene-Werft verantworteten Aufträge zum Umbau- und zur Instandsetzung von Marineschiffen werden planmäßig abgearbeitet. Zur Klarstellung: Die Reparaturverträge wurden in hartem Wettbewerb außerhalb der Insolvenz gewonnen. Die ist ausschließlich durch die Leistungsfähigkeit der Werftmitarbeiter gelungen.
 
Bestellung zum „starken“ vorläufigen Insolvenzverwalter wird beantragt
Damit der vorläufige Insolvenzverwalter notwendige verbindliche Vereinbarungen mit Kunden und Lieferanten schließen kann, hat ihn der Gläubigerausschuss ermächtigt, beim Amtsgericht Stralsund den Antrag auf Bestellung zum sogenannten „starken“ vorläufigen Insolvenzverwalter mit Verfügungsbefugnis, die über die Insolvenzeröffnung hinausgeht, zu stellen. Dem hat auch die Geschäftsführung der P+S WERFTEN zugestimmt. Die Insolvenzeröffnung wird voraussichtlich am 1. November 2012 erfolgen.
 
Indikative Angebote für die Peene-Werft in Wolgast liegen vor
Nachdem der vorläufige Insolvenzverwalter im September von 30 ersten Interessensbekundungen berichtet hatte, wurden die Kontakte vertieft. Bis Ende Oktober 2012 wird um indikative Angebote gebeten. Berthold Brinkmann: „Ich bin mit dem bekundeten Interesse für die Peene-Werft in Wolgast sehr zufrieden. Es liegen bereits indikative Angebote vor. Für Stralsund ist die Situation nicht so klar. Hier befinden wir uns in vielen Gesprächen. Das ist aufgrund der unsicheren Auftragssituation auf der Volkswerft und aufgrund der unsicheren Finanzierung auch nachvollziehbar.“
In der nächsten Phase sollen die Angebote – nach vertiefter Due-Diligence-Prüfung – konkretisiert und bestätigt werden. Zu den Einzelheiten werden keine Angaben gemacht, um das Bieterverfahren zu schützen. (Pressemeldung vom 19.10.2012)
Quelle: P+S Werften | Foto: P+S Werften
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