Wirtschaft

VDR Jahrespressekonferenz 2011

10.12.2011

VDR Verband Deutscher Reeder Hamburg: Die Schifffahrtspolitik in Deutschland hat nach intensiven Diskussionen eine positive Wende genommen. Dank des Deutschen Bundestages ist der Bund zum Maritimen Bündnis für Ausbildung und Beschäftigung zurückgekehrt. Die Reeder haben gestern auf ihrer Mitgliederversammlung einer Fortsetzung und Neuausrichtung des Maritimen Bündnisses zugestimmt. Zusätzlich zu den bisherigen erheblichen Eigenleistungen werden sie einen Solidarbeitrag von jährlich mindestens € 30 Mill. erbringen. Zusammen mit den € 60 Mill. des Bundes stehen damit künftig mindestens € 90 Mill. jährlich für die Ausbildung und Beschäftigung zur Verfügung. „Wir haben seit Beginn des Maritimen Bündnisses im Jahr 2003 rund 40% mehr Arbeitsplätze an Land geschaffen, ein Plus von rund 30% auf See und die Anzahl der Ausbildungsplätze verdoppelt“, sagte Michael Behrendt, Präsident des VDR, auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg. „Wir wollen und werden diese Erfolgsgeschichte fortschreiben, um den Schifffahrtsstandort Deutschland weiter zu stärken“, so Michael Behrendt. 
 
Um den Standort zu stärken und weiterhin eine hohe Anzahl Schiffe unter der deutschen Flagge fahren lassen zu können, ist jedoch auch eine grundlegende Entbürokratisierung der deutschen Flaggenstaatsverwaltung notwendig. Die Einflaggung von Schiffen in die deutsche Flagge ist durch zahlreiche nicht mehr zeitgemäße Auflagen und Behördengänge unnötig arbeits- und zeitintensiv und muss dringend effizienter gestaltet sowie internationalen Standards angepasst werden (Musterungsverfahren, Nationalitätenvorbehalt bei Anwendung der Schiffsbesetzungsverordnung, Arbeitszeitregelungen im neuen Seearbeitsgesetz, Visaerfordernisse für Drittstaatsangehörige und Seediensttauglichkeitsuntersuchung). Darüber hinaus ist der  Abbau von zahlreichen definierten Schwachstellen im Verfahren geboten.  
 
Im Jahr 2011 stand die Schifffahrt erneut vor großen Herausforderungen. Die Charter- und Frachtraten erreichten in 2011 nur schwer oder selten ein auskömmliches Niveau auskömmliches Niveau. Während die Frachtraten in 2010 zunächst auf einem hohen Niveau waren, blieben sie in 2011 insbesondere in der „Peak Season“ deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausgelöst wurde diese Entwicklung insbesondere in der Containerschifffahrt durch einen ruinösen Kampf um Marktanteile. Die Charterraten kamen nach einer kurzen Erholung ebenfalls unter Druck. Darüber hinaus belasten die steigenden Bunkerpreise die gesamte Branche erheblich. Die Kosten für eine Tonne Bunker sind alleine 2011 um fast 50 Prozent gestiegen.  
 
Die mittel- und langfristigen Aussichten für die Schifffahrt bleiben grundsätzlich positiv. Die deutschen Exporte übersteigen mittlerweile die Grenze von 1.000 Mrd. €. Deutschland wird 2011 nochmals ein hohes Wirtschaftswachstum von 3% erreichen. Die Ökonomen sind sich einig, dass das Wachstum der Weltwirtschaft anhalten wird und der Welthandel zunimmt. Weltweit werden über 90% der Güter  per Schiff transportiert. Die Schifffahrt bleibt ein unverzichtbarer Teil einer Welt, die wirtschaftlich und politisch immer weiter zusammenwächst. Das Vertrauen in das weitere Wachstum zeigt sich auch daran, dass trotz eines schwierigen Umfeldes auf See und an Land auf sehr hohem Niveau weiter ausgebildet worden ist. Mit einer Ausbildungsquote von 9% bilden die deutschen Reeder noch immer erheblich über dem Durchschnitt der bundesdeutschen Industrie von 6% aus. 
 
„Die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt bleiben auch künftig sehr gut. Die Arbeitsteilung in der Welt und der Warenaustausch über See werden weiter zunehmen. Die deutschen Reeder sind insgesamt gut aufgestellt, um von dieser Entwicklung weiter überproportional zu profitieren“, so Michael Behrendt. 
 
Eine der wichtigsten gegenwärtigen Aufgaben für die Schifffahrt bleibt der Umweltschutz. Die internationale Reedergemeinschaft hat anlässlich der Klimakonferenz in Durban aktiv weitreichende Vorschläge zum Klimaschutz gemacht. Gemeinsam mit den Umweltverbänden WWF und Oxfam schlagen die Reeder vor, einen Klimafonds einzurichten. Ebenso hat der VDR zusammen mit den internationalen Reederverbänden maßgeblich dazu beigetragen, mit dem Energy Efficiency Design Index (EEDI) für Neubauschiffe die weltweit erste verbindliche Kimaschutzmaßnahme auf IMO-Ebene zu vereinbaren.
 
Der VDR unterstützt Maßnahmen, auch die Schwefelemissionen von Schiffen deutlich zu reduzieren. Wenn 2015 die noch einmal erheblich niedrigeren Schwefelgrenzwerte in Nord- und Ostsee in Kraft treten sollten, wird es jedoch zu erheblichen Verkehrs- und Emissionsverlagerungen von der See auf die Straße kommen. In einem strukturierten Dialog mit der Bundesregierung arbeitet der VDR daran, die unerwünschten Folgen zu vermeiden. Dabei wird insbesondere angestrebt, die Erprobung neuer technischer Umrüstmaßnahmen zu unterstützen. Schiffe, die aus objektiven Gründen nicht umgerüstet werden können, brauchen hingegen eine Ausnahmeregelung, um negative Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze zu vermeiden. 
 
Die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag haben in der vergangenen Woche einer Verlängerung der Mission „Atalanta“ zugestimmt. Der EU-geführte Anti-Piraten-Einsatz „Atalanta“ ist mit 550 beteiligten Soldaten der drittgrößte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Die deutschen Reeder begrüßen den aktiven Einsatz der Deutschen Marine für die Handelsschifffahrt sehr. Einen noch effektiveren Schutz vor Geiselnahmen von Seeleuten und der Erpressung von Lösegeldern können bewaffnete Teams an Bord bieten. Nach Auffassung des VDR ist dies eine hoheitliche Aufgabe. Solange hoheitliche Kräfte aber nicht zur Verfügung stehen, drängt der VDR auf die Zertifizierung von privaten Sicherheitsdiensten auf der Basis der Einsatzregeln der Vereinten Nationen. Diese seit längerem angekündigte Entscheidung der Bundesregierung ist wirklich überfällig.
 
Die Offshore-Windenergie ist einer der dynamischsten Bereiche der heutigen Wirtschaft. In Europa und nach langem Anlauf auch in Deutschland sind eine Vielzahl von Offshore-Windparks in der konkreten Realisierung. Hier etabliert sich mit der Bereederung von Offshore-Windpark-Errichterschiffen und Servicefahrzeugen ein neues Geschäftsfeld für die deutschen Reedereien. Der VDR setzt sich hier gezielt für die Schaffung wettbewerbsneutraler, international einheitlicher Sicherheitsbestimmungen und Bau- & Konstruktionsstandards ein. (Pressemeldung vom 09.12.2011)
Quelle: Verband Deutscher Reeder | Foto: Verband Deutscher Reeder
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