Wirtschaft

ThyssenKrupp AG: Weiterentwicklung zum diversifizierten Industriekonzern

23.01.2012

thyssenkrupp AG Essen: ThyssenKrupp befindet sich auf gutem Weg, die im Mai 2011 beschlossene strategische Weiterentwicklung umzusetzen. Über die bereits erzielten Fortschritte berichtet Dr. Heinrich Hiesinger, Vorsitzender des Vorstandes der ThyssenKrupp AG, den Aktionärinnen und Aktionären auf der heutigen 13. ordentlichen Hauptversammlung im RuhrCongress in Bochum.
„Langfristig sehen wir ThyssenKrupp als einen diversifizierten Industriekonzern mit mehreren starken Geschäftsfeldern in attraktiven Wachstumsmärkten. Dies bedeutet auch, dass wir unsere Abhängigkeit von einzelnen Geschäftsbereichen und Regionen weiter verringern wollen. Wir setzen in Zukunft noch stärker als bisher auf unsere Technologiebereiche. Aus weltweiten Trends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Globalisierung ergeben sich enorme Wachstumschancen, die wir nutzen werden,“ so Hiesinger laut Redemanuskript.
 
Umsetzung der Portfoliooptimierung verläuft nach Plan
Um den nötigen finanziellen Spielraum für Wachstumsinvestitionen zu erhalten, hatte ThyssenKrupp im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung auch ein umfassendes Desinvestitionsprogramm beschlossen. Das Unternehmen trennt sich von den Geschäften, für die alternative strategische Optionen tragfähiger sind. Mit dem Verkauf der Metal-Forming-Gruppe und der Xervon-Gruppe wurden bereits zwei Transaktionen abgeschlossen. Für die zivilen Schiffbauaktivitäten von ThyssenKrupp Marine Systems hat der Konzern am 11. Dezember 2011 mit Star Capital Partners aus England einen Kaufvertrag unterzeichnet.

Die Zustimmungen gemäß Außenwirtschaftsgesetz sowie die kartellrechtlichen Freigaben liegen bereits vor. ThyssenKrupp ist daher zuversichtlich, dass das Closing zeitnah erfolgen wird. Auch die Verkaufsprozesse von Waupaca und Tailored Blanks schreiten voran. Für Waupaca, das US-amerikanisches Gießereigeschäft von ThyssenKrupp, werden gegenwärtig vielversprechende Angebote potentieller Käufer ausgewertet. Ebenfalls angelaufen ist die Integration der Fahrwerkgeschäfte. Durch die Zusammenführung der Bilstein Gruppe mit Presta Steering entsteht einer der größten Chassis-Full-Service-Provider mit globalem Auftritt und einem Umsatz von rund 3 Mrd. €. Ein kleiner Teil dieser Gruppe, das Federn- und Stabilisatorengeschäft, wird ebenfalls veräußert. Das brasilianische Automotive-System-Geschäft ist bereits an das Unternehmen Cosma International veräußert worden, eine Tochtergesellschaft des Automobilzulieferers Magna.
 
Auch der Prozess der Abtrennung von Inoxum, ehemals Stainless Global, verläuft nach Plan. Die neue Marke Inoxum ist eingeführt. Die gesellschaftsrechtlichen, organisatorischen und vertraglichen Maßnahmen zur Verselbstständigung (Carve-Out) von Inoxum wurden zum 30. September 2011 umgesetzt. Bereits im Jahresabschluss des ThyssenKrupp Konzerns für 2010/2011 wurde Inoxum daher als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen. Für die vollständige Trennung der Sparte prüft ThyssenKrupp nach wie vor alle drei Optionen: einen Börsengang, einen Spin-off und einen Verkauf. Der Konzern hält an dem Zeitplan fest, dass die Trennung der Sparte bis zum Ende des Jahres 2012 umgesetzt werden soll.
 
Wachstumspotential durch Investitionen in Technologiesparten
Zielsetzung dieser Portfoliooptimierung ist, den Verschuldungsgrad von ThyssenKrupp zu reduzieren, das Rating zu verbessern und mittelfristig wieder mehr finanziellen Handlungsspielraum für Investitionen zu erreichen. Darüber hinaus soll die Ertragskraft des Konzerns deutlich verbessert werden.
 
„Bereits heute sind wir in vielen Bereichen mit unserer Ingenieurkunst führend und bieten intelligente Produktlösungen an, mit denen wir von den großen, weltweiten Trends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Globalisierung profitieren“, sagt Dr. Heinrich Hiesinger. „Weltweit steigt der Bedarf an Konsum- und Industriegütern, an Infrastruktur, Energie und Rohstoffen. Diesem Bedarf nach ‚mehr‘ steht aber die Endlichkeit natürlicher Ressourcen gegenüber. Der weltweite Klimawandel und die immer höheren Anforderungen an Energie- und Ressourceneffizienz sowie Umweltschutz machen deutlich: Die Welt hat nicht nur Bedarf nach ‚mehr‘, sondern vor allem nach ‚besseren‘ Lösungen. Mit unserer Ingenieurkompetenz ermöglichen wir es unseren Kunden, diesen Bedarf nach ‚mehr‘ auf ‚bessere‘ Art zu bedienen und sich so Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten.“ Um diese Wachstumschancen voll auszunutzen, wird ThyssenKrupp mittel- und langfristig verstärkt in das Technologiegeschäft investieren. Dabei fokussiert sich der Konzern auf Kerngeschäfte, in denen er führende Marktpositionen innehat.
 
Technologiesparte mit verlässlichen Ergebnisbeiträgen
Die Entwicklung im Geschäftsjahr 2010/2011 bestätigt die eingeschlagene Strategie: Die Technologie-Bereiche trugen rund 75 Prozent zum Konzernergebnis bei. Insgesamt konnten diese positiven Ergebnisbeiträge das negative Ergebnis von Steel Americas sowie den Einfluss der Wertberichtigungen allerdings nicht ausgleichen. Da die Anlaufschwierigkeiten bei den neuen Werken in Brasilien und den USA noch nicht vollständig bewältigt sind, ist eine wesentliche Verbesserung der Situation bei Steel Americas wie bereits angekündigt erst im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/12 zu erwarten. Mittel- und langfristig bietet Steel Americas für ThyssenKrupp aber ein enormes Wertsteigerungspotential und aussichtsreiche Perspektiven.
 
Ausblick
Im ersten Quartal 2011/2012, für das der Konzern am 14. Februar 2012 Geschäftszahlen vorlegen wird, haben sich die Divisionen Materials und Technologies wie erwartet unterschiedlich entwickelt. Steel Europe und Material Services verzeichneten einen Mengen- und Ergebnisrückgang im Vergleich zum ersten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres. Steel Americas verbuchte weiterhin Verluste. Auf der anderen Seite haben die Technologiegeschäfte verlässlich positive Ergebnisbeiträge erbracht. Nach wie vor erwartet der Konzern für das erste Quartal 2011/2012 ein bereinigtes EBIT, das deutlich unter dem Vergleichsquartal des vorherigen Geschäftsjahres liegt.
 
„Es ist nicht verlässlich absehbar, wie sich die Wirtschaft in Deutschland, Europa und der Welt in den kommenden Monaten entwickelt. Vor diesem Hintergrund können wir im Moment keine verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2011/2012 abgeben. Wir bei ThyssenKrupp fokussieren uns auf die Stellschrauben, die wir selbst beeinflussen können, und sehen uns auf einem guten Weg bei der Umsetzung unserer strategischen Weiterentwicklung“, so Dr. Heinrich Hiesinger. (Pressemeldung vom 20.01.2012)
Quelle: ThyssenKrupp AG | Foto: Thyssen Krupp
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