Wirtschaft

PwC-Studie: Wieso sich die Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken lohnt

11.09.2022

pwc PricewaterhouseCoopers GmbHFrankfurt am Main: Die Wiederbelebung stillgelegter Schienenstrecken in Deutschland birgt riesiges Potenzial für die Entwicklung ländlicher Räume. Denn die Reaktivierung verwaister Streckenabschnitte hat positive Effekte auf unterschiedliche Bereiche – von Umwelt und Verkehr über die Siedlungsstruktur und Wirtschaft bis hin zur Gesellschaft. Die Hürden für eine Genehmigung und Umsetzung von Reaktivierungsprojekten sind jedoch sehr hoch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Im Jahr 2019 war das Streckennetz in Deutschland um 16 Prozent kleiner als noch 1950. Allein seit dem Jahr 1994 wurden in Deutschland mehr als 5.000 Streckenkilometer stillgelegt und gleichzeitig nur etwas mehr als 1.000 Kilometer reaktiviert.

  • Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland könnten durch die Reaktivierung von Bahnstrecken an den Schienenverkehr angebunden werden – mit positiven Effekten auf Umwelt, Verkehr, Wirtschaft und Raumplanung
  • PwC-Experte Maximilian Rohs „Reaktivierung von Bahnstrecken ist wichtiger Mosaikstein für Mobilitätswende und Klimaschutz“
  • Heutige Betrachtungsweise von Reaktivierungsprojekten sollte ganzheitlich erfolgen


„Aktuell scheint sich der Trend zur Stilllegung von Bahnstrecken jedoch umzukehren und immer mehr Abschnitte werden wieder aktiviert“, kommentiert Hansjörg Arnold, Partner im Bereich Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland. Als Grund für diese Trendwende nennt der PwC-Experte unter anderem den öffentlichen Fokus auf den Klimaschutz und das Ziel, für gleichwertige Lebensverhältnisse für alle Menschen in Deutschland zu sorgen.

Positive Effekte auf Verkehr, Umwelt, Wirtschaft und Raumplanung 

„Der Anschluss ländlicher Räume an die Schiene hat einen wichtigen Effekt auf die Lebensqualität der Menschen und die Standortqualität für Unternehmen. Die Verbindung zum Schienennetz wertet Regionen auf und spielt sowohl bei der Wohnsitzwahl von Bürger:innen als auch bei der Standortwahl von Unternehmen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig leistet der Schienenverkehr als umweltfreundlicher Verkehrsträger einen fundamentalen Beitrag, um die Klimaziele zu erreichen und die dafür erforderliche Mobilitätswende voranzutreiben.“
 Hansjörg Arnold, Partner im Bereich Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland durch die Reaktivierung von Streckenabschnitten eine Anbindung an den Schienenverkehr und somit eine bessere Verbindung in die nächstgelegenen regionalen Zentren erhalten könnten. Die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken lohnt sich laut Analyse in vielfacher Hinsicht: Sie wirkt sich beispielsweise positiv auf die Bevölkerungsentwicklung aus und führt durch attraktive Stadt-Umland-Verbindungen zu Entlastungen auf angespannten Wohnungsmärkten. Über eine Wiederbelebung alter Bahnstrecken lässt sich zudem die Verkehrs- und Umweltbelastung reduzieren. Und auch die Regionen selbst profitieren durch höhere Steuereinnahmen, sei es durch touristische Erschließung oder neue Arbeitsplätze.

Heutige Betrachtung greift häufig zu kurz

Maximilian Rohs, Mobility-Experte bei PwC Deutschland, fordert daher, die heute noch vorherrschende Betrachtungsweise, die bei der Entscheidung zur Reaktivierung von Bahnstrecken zum Einsatz kommt, zu erweitern: Hierbei werden die Kosten dem zu erwartenden Nutzen gegenübergestellt, jedoch nicht die gesamte Bandbreite positiver Effekte berücksichtigt.

Aus Sicht des PwC-Experten greift diese Herangehensweise zu kurz:
„Bei der Entscheidung für oder gegen die Reaktivierung einer Strecke sollten im Rahmen der Kosten-Nutzen-Analyse auf der Nutzen-Seite deutlich tiefergehende Betrachtungen erfolgen. So wäre eine detaillierte Untersuchung von verkehrlichen, wirtschaftlichen und raumstrukturellen Aspekten ebenso wünschenswert wie der stärkere Einbezug der positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Die kürzlich erfolgte Weiterentwicklung der Standardisierten Bewertung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“
 Maximilian Rohs, Senior Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Dass die Reaktivierung von Bahnstrecken positive Effekte auf die Umwelt hat, belegt die Studie: Mit der Wiederbelebung von Strecken kann die weitere Zerschneidung der Landschaft verhindert werden. Die Auswirkungen für angrenzende Biotope und Tierlebensräume werden so minimiert. Zudem werden für die Reaktivierung von Gleisen weniger Flächen verbraucht als für den Straßen- oder Schienenneubau.

Erfolgsfaktoren für die Reaktivierung von Bahnstrecken 

„Die Reaktivierung von Schienenstrecken in Deutschland lohnt sich an vielen Stellen, denn sie wirkt sich positiv auf die Entwicklung ländlicher Räume aus. Sie ist zudem ein wichtiges Element auf dem Weg zur angestrebten Mobilitätswende in Deutschland und für einen erfolgreichen Klimaschutz“, so das Fazit von Maximilian Rohs. Der Experte fordert jedoch: „Um Reaktivierungsprojekte erfolgreich umzusetzen, müssen die Planungsprozesse vereinfacht und beschleunigt werden.“ Die Hürden für eine Genehmigung und Umsetzung von Reaktivierungsprojekten seien sehr hoch. 

In der Studie geben die Autoren deshalb auch Handlungsempfehlungen, wie sich eine Reaktivierung erfolgreich realisieren lässt. Der wichtigste Tipp der Experten: „Bei der Planung und Umsetzung sollten die Verantwortlichen ein starkes, kooperatives Netz aus Akteuren mit politischen Entscheidungsträger:innen als Befürworter bilden und einen Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit legen.“

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 327.000 Mitarbeitende in 155 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften.

(Pressemeldung vom 06.09.2022)
Quelle: PricewaterhouseCoopers GmbH | Foto: PricewaterhouseCoopers GmbH
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