Wissenschaft

Nordseeraum im Klimawandel

19.10.2022

Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG)Hannover: Die Grundwasser- und Bodenressourcen der Nordseeregion stehen durch den Klimawandel, die menschliche Nutzung und den daraus folgenden Landschaftsveränderungen unter Druck. Die Verfügbarkeit von ausreichend hochqualitativem Wasser erfordert unverzüglich systemische Strategien. Das Projekt „Blue Transition“ unter Leitung und Koordination von Geophysiker Prof. Dr. Mike Müller-Petke vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) fokussiert auf ein nachhaltiges Wasser- und Bodenmanagement, um die Resilienz des Nordseeraums zu stärken. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fördert „Blue Transition“ im Interreg Nordseeprogramm für dreieinhalb Jahre mit über 4,5 Millionen Euro.

Nordseeraum im Klimawandel

Foto: Moorlandschaft im Nordseeraum. Quelle: Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik LIAG Foto: © Herbert Aust, Pixabay

Es ist eine der großen Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert jederzeit ausreichend Wasser in guter Qualität gewährleisten zu können. Die EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel sowie die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung und die EU-Richtlinien für Grundwasser, Wasser und Böden fordern einen schnellen und systematischen Wandel. Mit dem Verbundprojekt „Blue Transition“ soll so ein systematischer Wandel durch ein integriertes Wasser- und Bodenmanagement unter Betrachtung komplexer sich gegenseitig beeinflussender Faktoren nachhaltig ermöglicht werden. Dafür werden in 16 Pilotgebieten in Dänemark, den Niederlanden, Schweden, Belgien, Frankreich und Deutschland in einem transnationalen Ansatz Lösungen entwickelt und Erkenntnisse für Wasserverbände, Landwirte, Behörden und die Gesellschaft abgeleitet. Durch veränderte Landnutzungen und integratives Management von Wäldern, landwirtschaftlichen Flächen, urbanen Räumen, Mooren, Feucht- und Naturschutzgebieten sollen sowohl kurz- als auch langfristig Grundwasserressourcen nachhaltig gesichert, die künftige Verfügbarkeit von Wasser in guter Qualität gewährleistet, natürliche Lebensräume geschützt sowie zur Verringerung von CO2-Emissionen beigetragen werden.

„Mit der Bewilligung fördert die Europäische Union ein wichtiges interdisziplinäres und länderübergreifendes Projekt, um die nachhaltige Bewirtschaftung des Nordseeraums zu sichern“, erklärt Prof. Dr. Mike Müller-Petke, der die Grundwasserforschung am LIAG leitet. „In den Pilotgebieten sollen praktische Lösungen gefunden werden. Diese zielen unter anderem auf die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen im Küstenraum, auf die Erhaltung und die Wiedervernässung von Mooren oder auf ein urbanes Wassermanagement.“ Dafür sei es wichtig, die Untergrundstrukturen sowie die Prozessvorgänge genauer und flächenhaft mit Hilfe der Geophysik unter anderem durch den Einsatz von Drohnen zu erfassen. 

Nordseeraum im Klimawandel

Grafik: Projektgebiete in sechs Ländern: Deutschland, Dänemark, Belgien, Frankreich, Niederlande, Schweden.  Grafik: LIAG © Anne-Marie Pogoda-Dorsch

Das Konsortium besteht aus 24 Partnern aus sechs Ländern und baut auf das im Jahr 2021 abgeschlossene EU-Projekt TOPSOIL auf. In Deutschland sind neben dem LIAG (Hannover) der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (Brake), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (Hannover), der Dachverband Feldberegnung Uelzen, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg), der Geologische Dienst für Bremen an der Universität Bremen und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover) beteiligt. Das Konsortium verbindet Wissenschaft, Regierung, Industrie, Interessenvertreter und Gesellschaft, um die Umsetzung der Maßnahmen transnational und innovativ voranzutreiben und zu verbreiten. 

Ein Kick-off-Meeting aller Beteiligten ist im kommenden Winter geplant.

Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) - Mit einem breiten Spektrum an geophysikalischen Methoden untersuchen Forschende am LIAG seit fast 75 Jahren räumlich und zeitlich komplexe geologische Strukturen und Prozesse im schwer zugänglichen Untergrund und entwickeln Mess- und Auswerteverfahren weiter. Die Gesamtheit der geophysikalischen Methoden im Labor, am Computer und im Gelände bietet einen ganzheitlichen Blick auf Strukturen sowie zeitliche und räumliche Veränderungen im Untergrund auf ganz verschiedenen Größenskalen – vom Porenraum eines Sandkorns bis zu Gebieten von der Größe Deutschlands.

So werden am LIAG gesellschaftlich relevante Themen wie Grundwasserschutz, Geogefahren, Geothermie und Klima- sowie Landschaftsveränderungen der Vergangenheit für die Zukunft untersucht. Die datenbasierten Erkenntnisse sind essenziell, um in interdisziplinären Kooperationen gesellschaftlich relevante Fragestellungen zu beantworten und für Entscheidungsträger fundierte Prognosen sowie zukünftige Handlungsstrategien generieren zu können. Die langjährige Expertise und die hochwertige Messgeräte-, Labor- und Dateninfrastruktur ermöglichen es, je nach Fragestellung innerhalb des Instituts verschiedenste geophysikalische Verfahren zu kombinieren. Diese Merkmale machen das LIAG deutschlandweit einzigartig.  


Wissenschaftlicher Kontakt - Prof. Dr. Mike Müller-Petke

(Pressemeldung vom 06.10.2022)
Quelle: Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) | Foto: LIAG
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