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Kultur
Schulzeitverkürzung und Profiloberstufe: bessere Leistung im Abitur
Mittwoch, der 28.November 2012
Schulzeitverkürzung und Profiloberstufe: bessere Leistung im Abitur

Hamburg: Die Schulzeitverkürzung am Gymnasium von neun auf acht Jahre hat die Leistungen der Hamburger Abiturientinnen und Abiturienten in den Kompetenzbereichen Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften nicht beeinträchtigt, sondern sogar teilweise verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die erstmals in Deutschland die Leistungen von Abiturienten vor und nach der Schulzeitverkürzung am Gymnasium verglichen hat. Die „KESS 12-Studie“ kommt zu weiteren bemerkenswerten Ergebnissen. So stieg die Zahl der Abiturienten in Hamburg von 3.517 im Jahr 2005 auf 4.675 im Jahr 2011 um 33 Prozent. Trotz dieser erheblichen Steigerung ist das mittlere Leistungsniveau nicht gesunken, sondern eher sogar leicht angestiegen. Gerade die in beiden Jahrgängen gut vergleichbare Spitzengruppe leistungsstarker Schülerinnen und Schüler hat deutlich zugelegt. Schulsenator Ties Rabe: „Die Studie räumt mit zwei Vorurteilen auf. Es gibt deutlich mehr Abiturienten, obwohl das Niveau nicht gesunken ist. Und: Die Schulzeitverkürzung G8 am Gymnasium hat nicht geschadet, sondern zu diesem Erfolg beigetragen.“

Um Verzerrungen aufgrund der unterschiedlich starken Schülerzahlen und unterschiedlich hohen Teilnahmequoten auszuschließen und den Einfluss von G8 besser beurteilen zu können, wurden unter anderem die 500 besten Hamburger Schülerinnen und Schüler von 2011 (KESS-Studie) mit den 500 besten von 2005 (LAU-Studie) verglichen. Der positive Einfluss von G8 zeigt sich hier besonders. Danach haben die G8-Abiturienten sowohl im Bereich der voruniversitären Mathematik (d = 0,35) als auch in Englisch – allgemeines Sprachverständnis (d = 0,48) deutlich höhere Lernstände als die Vergleichsgruppe sechs Jahre vorher. Ties Rabe: „G8 hat die Leistungen der Leistungsspitze in Hamburg eindeutig verbessert.“

Zugleich hat G8 (in Hamburg eingeführt im Jahr 2002) aber den anderen Schülerinnen und Schülern nicht geschadet. Im Gegenteil: 2011 haben insgesamt 1.158 mehr Schülerinnen und Schüler (+ 33 Prozent) als 2005 das Abiturniveau erreicht. Im Vergleich zu 2005 hat sich die soziale Zusammensetzung 2011 allerdings deutlich verändert. So hat sich der Anteil von Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern verdoppelt. Trotzdem sind die schulischen Leistungen insgesamt gleich oder sogar leicht verbessert. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil in Hamburg die zeitgleich neu eingeführte Profiloberstufe mit ihren höheren Verpflichtungen in Deutsch, Mathematik und Englisch in diesen Fächern eigentlich höhere Ansprüche stellt als das noch 2005 geltende Kurssystem mit Grund- und Leistungskursen.

Studienleiter Ulrich Vieluf: „Die Leistungsspitze ist besser geworden, es erwerben mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur, und trotz der deutlich höheren Abiturientenzahlen ist das Leistungsniveau nicht gesunken. Die Ursachen liegen auf der Hand: Zwischen 2005 und 2011 wurde die Schulzeit am Gymnasium um ein Jahr verkürzt und zugleich die Oberstufe reformiert. An die Stelle der Grund- und Leistungskurse trat die Profiloberstufe mit höheren Stunden- und Leistungsverpflichtungen in Deutsch, Mathematik und Englisch. Die Verdichtung der Lernzeit und die höheren Leistungsanforderungen haben offensichtlich positive Auswirkungen in Hamburg.“

Schulsenator Ties Rabe: „Die Studie zeigt: Wer mehr Schülerinnen und Schüler zu höheren Abschlüssen führen will, muss keineswegs das Leistungsniveau senken. Viele Abiturienten sind deshalb auch keineswegs ein Beweis für ein niedriges Abiturniveau. Im Gegenteil: Eine gute Schule schafft es, auch Schülerinnen und Schüler zu einem guten Abitur zu führen, für die dieser Abschluss früher unerreichbar schien. Dabei verlangen die Schulen jetzt mehr Anstrengung und Leistung als 2005. Doch gerade das – die Verdichtung der Lernzeit und die höheren Leistungsansprüche – haben offensichtlich zum Erfolg beigetragen. Das zeigt: Wenn eine Schule Leistung fordert und fördert, steigt der Bildungserfolg der Kinder.“

Die Längsschnittstudie „Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“ (KESS) überprüft seit 2003 die Lernentwicklung eines ganzen Schülerjahrgangs in Hamburg. Nach 2003 (KESS 4), 2005 (KESS 7), 2007 (KESS 8) und 2009 (KESS 10/11) waren die Schülerinnen und Schüler dieses Jahrgangs im Mai 2011 (KESS 12) zum fünften Mal in ausgewählten Kompetenzbereichen getestet worden. Die Erhebung, an der rund 3.800 Abiturientinnen und Abiturienten teilnahmen, war im Mai 2011 am Ende der gymnasialen Oberstufe zwischen dem schriftlichen und mündlichen Abitur durchgeführt worden.

Die Untersuchung lässt einen direkten Vergleich mit den Ergebnissen der sechs Jahre zuvor durchgeführten „LAU-Studie“ zu. Auch damals waren die Abiturientinnen und Abiturienten in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften getestet worden. Allerdings hatten sie noch den neunjährigen Zeitraum am Gymnasium durchlaufen. Die Schülerinnen und Schüler des KESS-Jahrgangs haben demgegenüber an den Gymnasien einen um ein Jahr verkürzten Bildungsgang (G8) absolviert.

Im Englisch C-Test, der das allgemeine Sprachverständnis misst, verzeichnen die Abiturienten 2011 über alle Leistungsgruppen hinweg höhere mittlere Lernstände als 2005. Etwas weniger deutlich fallen die Verbesserungen im teilweise eingesetzten Englischtest „Test of English as a Foreign Language“ (TOEFL) aus. Doch auch hier ergibt sich 2011 ein leichter Vorsprung im Bereich Hörverstehen, in den Bereichen „Structure and Written Expression“ sowie „Vocabulary“ liegen beide Jahrgänge gleichauf.

Im Fach Mathematik unterscheiden sich beide Jahrgänge nur geringfügig: Während der Jahrgang 2005 einen etwas höheren mittleren Lernstand im Bereich der mathematischen Grundbildung verzeichnet, schneidet der Jahrgang 2011 im Bereich der voruniversitären Mathematik im Mittel etwas besser ab. Die Differenz im Bereich der mathematischen Grundbildung ist auf geringere Lernstände im unteren Viertel der Leistungsverteilung zurückzuführen, während sich die Leistungsspitzen nicht unterscheiden. Das heißt: Der Anstieg der Schülerzahlen hat in Mathematik zu schwächeren Leistungen im unteren Leistungsviertel der Schülerschaft geführt.

Im Kompetenzbereich „Naturwissenschaftliche Grundbildung“ verzeichnen die Abiturienten des Jahrgangs 2011 einen etwas höheren mittleren Lernstand am Ende der gymnasialen Oberstufe. Betrachtet man wiederum die Leistungsverteilungen, so ergeben sich für den Jahrgang 2011 Leistungsvorteile im oberen Leistungsviertel, während das untere Leistungsviertel im Vergleich mit dem Jahrgang 2005 etwas schwächer abschneidet.

Infolge der veränderten Belegauflagen der Profiloberstufe haben sich die Kurswahlen erheblich verändert: So wählten 77 Prozent der Oberstufenschülerinnen und -schüler in Englisch das erhöhte Anforderungsniveau, 2005 wählten 33 Prozent einen Leistungskurs. In Mathematik haben 42 Prozent das erhöhte Anforderungsniveau gewählt, zuvor waren es 12 Prozent. Lediglich in den Naturwissenschaften sind die Anteile ähnlich geblieben: 33 Prozent entschieden sich 2011 für das erhöhte Anforderungsniveau, 38 Prozent 2005 für einen Leistungskurs.

Link zur Kurzfassung des KESS 12-Berichts: http://bildungsserver.hamburg.de/bildungsqualitaet/ (Pressemeldung vom 27.11.2012)

Quelle: Senat der Hansestadt Hamburg | Foto: Senat der Hansestadt Hamburg
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