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Wirtschaft
MKG Hamburg: Die schönsten Nashörner kommen aus Tokio.
Freitag, der 3.Oktober 2014
MKG Hamburg: Die schönsten Nashörner kommen aus Tokio.

Hamburg: Tiere sind Sympathieträger – kein Wunder, dass man ihnen oft auf Plakaten begegnet. Aber Nashörner? Mit den 80 Tierplakaten dieser Ausstellung hat es Besonderes auf sich. Sie stammen von zwei bedeutenden Grafikdesignern und Plakatkünstlern unserer Zeit, von dem Japaner Kazumasa Nagai und dem Schweizer Claude Kuhn. Kazumasa Nagai (*1929) gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Designern seines Landes. 1987 beginnt er, ohne Auftrag und im Eigenverlag, kleine Serien mit Tierbildern zu veröffentlichen, deren kurzer Text auf die Bedrohung der Tierwelt hinweist. Die Arbeiten haben das stattliche japanische Plakatformat von 106 x 73 cm und erscheinen als Siebdruck in begrenzter Auflage. Sie waren nie zum Plakatieren gedacht, sondern zum Ausstellen und Sammeln. Einen ganz anderen Hintergrund haben die Werke von Claude Kuhn (*1948). Seine Plakate sind nicht minder sorgfältig ausgeführt – ebenfalls als Siebdruck – doch werden sie tatsächlich plakatiert. Als langjähriger Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums in Bern entwirft er Ausstellungsplakate und wirbt für die Veranstaltungen des Berner Zoos. Die konkrete Auftragslage hindert den Designer nicht, immer wieder mit Humor und unkonventionellen Motiven zu überraschen. Anlass der Ausstellung ist die großzügige Schenkung der gezeigten Plakate von Claude Kuhn und Kazumasa Nagai.

1515 bringen portugiesische Seefahrer seit der Antike das erste Nashorn nach Europa. Albrecht Dürer (1471-1528), der es selbst nie zu sehen bekam, veröffentlicht 1515 die Zeichnung eines unbekannten Kollegen als Holzschnitt. Ihn faszinieren die Wucht und Urgewalt des gewaltigen Tieres, besonders hebt er die Musterung des Panzers hervor. Seither ist das Nashorn ein Thema in der Kunst. Als in der Mitte des 18. Jahrhunderts erneut ein Nashorn – diesmal in Venedig – zur Schau gestellt wird, wählt es der Maler Pietro Longhi (1702-1785) zum Motiv eines seiner bekanntesten Gemälde. Heute sind Nashörner vom Aussterben bedroht – aber jeder weiß, wie sie aussehen. Kazumasa Nagai geht es bei seinen Darstellungen nicht mehr um die äußere Gestalt. Er konzentriert sich auf wenige wesentliche Merkmale, die er immer wieder neu interpretiert. Mit scheinbar kindlicher Zeichnung oder großen Augen weckt er Mitgefühl mit der bedrohten Tierwelt – und das auf höchstem ästhetischem Niveau.

Plakate in der Schweiz
Plakate haben in der Schweiz eine besondere Tradition. Seitdem 1914 das einheitliche „Weltformat“ (128 x 90,5 cm) eingeführt wird und für alle Genres des Plakates bis heute gilt, entwickelt sich hier eine sehr eigenständige Plakatland-schaft. Im übrigen Europa gibt es eine Vielfalt von unterschiedlichen Plakatgrößen, vom Billboard und der Großfläche über die Ganzsäule bis zum City Light Poster. Plakate für bekannte internationale Marken dominieren das Geschehen allein schon durch ihre schiere Größe. Kulturelle Plakate dagegen, obwohl sie oft viel interessanter gestaltet sind, fallen mit ihrem kleinen Format meist weniger auf. In Deutschland wird beispielsweise häufig das Din-A1-Format (84 x 59 cm) verwendet. In der Schweiz begegnen sich durch das vereinheitlichende Weltformat kulturelle Themen und kommerzielle Werbung auf Augenhöhe. Entsprechend wichtig ist für Theater oder Museen daher ihr Plakatauftritt, für den sie die besten Designer beauftragen. Claude Kuhns Plakate für das Naturhistorische Museum in Bern, seine Arbeiten für den Tierpark oder für Sportveranstaltungen sind ein beispielhafter Beleg dieser Politik.

Plakate in Japan
Plakatwerbung in Japan ist schrill, bunt, laut und in der Regel groß wie Hauswände oder Schaufenster. Plakate wie die in der Ausstellung gezeigten haben keinen Platz im öffentlichen Raum. Designern und ihren Verbänden ist es zu verdanken, dass in Japan dennoch eine rege Plakatszene auf höchstem Niveau entsteht. Schon in den 1950er Jahren wählt man das sogenannte B1-Format (102 x 73,5 cm). 1978 wird die JAGDA gegründet (Japan Graphic Designers Association). Sie veranstaltet Ausstellungen und Wettbewerbe und gibt seit 1986 mitunter auch selbst Plakate in Auftrag. Der Umwelt- und Artenschutz wird zum zentralen Thema der jährlichen JAGDA-Ausstellungen. Kurze englische Worte wie „I‘m here“ oder schlicht „Life“ werden als Motto ausgegeben und finden sich entsprechend als Text auf den eingesandten Plakaten. In diesem Kontext entstehen viele der Plakatserien von Kazumasa Nagai. Neben den Plakaten für Ausstellungen spielen „Imageposter“ für große Konzerne eine wichtige Rolle. Die bedeutendsten Designer des Landes erhalten die begehrten Aufträge und liefern oft erstaunlich freie Entwürfe ab. Sie werden ebenfalls in Ausstellungen gezeigt oder hängen in den Chefetagen der Konzerne. In diesem Bereich war Nagai ebenfalls erfolgreich tätig.

Claude Kuhn
Der Berner Künstler und Designer Claude Kuhn (*1948) lernt zunächst Dekorations- und Schaufenstergestaltung, bevor er sich zum Grafiker ausbilden lässt. Ab 1972 übernimmt er Aufträge vom Naturhistorischen Museum Bern, bleibt aber weiterhin als freier Künstler tätig. Für dieses Museum, dessen fester Mitarbeiter er kurze Zeit später wird, entstehen im Laufe von vier Jahrzehnten zahlreiche Plakate und Einladungskarten. Darüber hinaus arbeitet er als Ausstellungs-gestalter an der visuellen Umsetzung vieler Themen des Museums. Seit den 1980er Jahren erhält Kuhn auf nationalen und internationalen Plakat-Wettbewerben zahlreiche Auszeichnungen. Seine Plakate, mit denen er unter anderem auch für den Berner Tierpark Dählhölzli, sowie für Box- und Fechtveranstaltungen wirbt, sind seit über zwanzig Jahren aus dem Berner Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Sie sind, so der Potsdamer Designer Lex Drewinski (*1951), „ein seltenes Beispiel von visueller Therapie, durch die unser mentaler Zustand verbessert wird“.

Kazumasa Nagai
Kazumasa Nagai gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten Plakatkünstlern Japans. Geboren 1929 in Osaka, schließt er 1951 in Tokio ein Studium an der Kunstakademie als Bildhauer ab. Er geht als Grafiker in die Werbung und beginnt in den späten 1950er Jahren Plakate zu entwerfen. 1960 ist er Gründungsmitglied des Nippon Design Center, einem nationalen Verband zur Förderung des japanischen Designs. 1966 erhält er auf der Plakatbiennale in Warschau die Goldmedaille für Produktwerbung, die renommierteste Auszeichnung für einen Plakatkünstler überhaupt. In diesen Jahren beginnt er, mit geometrischen Flächen in klaren Farben zu experimentieren, die seinen Plakaten einen futuristischen Anstrich verleihen. Die Darstellung des Produkts tritt in den Hintergrund. 1988 erscheint die erste Plakatserie mit Tierdarstellungen, die auf Anhieb ein internationaler Erfolg wird. In den nächsten zwanzig Jahren veröffentlicht Nagai in jährlichen, mitunter sogar halbjährlichen Abständen kleine Plakatserien mit Tierdarstellungen.

Der Siebdruck
Der Siebdruck ist ein „Durchdruckverfahren“: Die Druckfarbe wird durch ein feines Sieb mithilfe eines Rakels auf das Papier gepresst. Das Sieb wird zuvor präpariert so dass es nur dort Farbe durchlässt, wo sie auch erwünscht ist: Wo die Maschen abgedichtet wurden, gelangt keine Farbe aufs Papier. Die Vorbereitung des Siebes kann von Hand oder auch fotomechanisch geschehen. Diese Drucktechnik entsteht ursprünglich als Hilfsmittel zur Beschriftung von Kisten oder Kartons im Transportgeschäft. Erst in den 1950er Jahren wird die Technik soweit verfeinert, dass sie sich als künstlerische Drucktechnik eignet. Mit der Pop Art findet der Siebdruck nach 1960 große Verbreitung, nicht zuletzt weil er besonders leuchtende Farben ermöglicht. Für das Plakat spielt der Siebdruck ebenfalls eine wichtige Rolle – auch wenn er bei größeren Auflagen deutlich teurer als der Offsetdruck ausfällt. Die renommierte Plakatdruckerei Albin Uldry bei Bern verwendet ausschließlich den Siebdruck. Hier entstehen die Plakate von Claude Kuhn. Auch bei den Arbeiten von Kazumasa Nagai handelt es sich um Siebdrucke. Da seine Plakate für den Innenraum gedacht sind, kann er mattes und weiches Papier wählen, während Claude Kuhns Plakate mit ihrem festen, glatt gestrichenen Papier sich bestens für den Außenbereich eignen. (Pressemeldung vom 03.10.2014)

Quelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg | Foto: MKG, © Claude Kuhn, Kazumasa Nagai
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