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Wirtschaft
ifw: Deutsche Konjunktur - Aufschwung festigt sich
Freitag, der 13.Juni 2014
ifw: Deutsche Konjunktur - Aufschwung festigt sich

Kiel: Die deutsche Konjunktur steht in diesem und im nächsten Jahr im Zeichen eines Investitionsaufschwungs. Zusätzlich wird der private Verbrauch angesichts wieder kräftiger steigender Einkommen spürbar zunehmen. Der Außenhandel wird sich ebenfalls beleben, rein rechnerisch aber nicht zur Expansion beitragen. Die binnenwirtschaftlichen Komponenten absorbieren somit den gesamten Produktionsanstieg von 2 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr. Während im laufenden Jahr die Normalauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten bereits leicht überschritten wird, dürfte die Überauslastung im nächsten Jahr schon beträchtlich sein. Der Beschäftigungsaufbau setzt sich beschleunigt fort, auch weil die hohe Zuwanderung den Alterungseffekten hierzulande entgegenwirkt. Während die Arbeitslosenquote wieder sinkt, verstärkt sich der Preis- und Lohnauftrieb. Nach den jüngsten Beschlüssen der EZB wird das monetäre Umfeld für die deutsche Volkswirtschaft auf Jahre hinaus noch extrem expansiv bleiben. Damit steigen die Stabilitätsgefahren aufgrund einer konjunkturellen Überhitzung. Die Finanzpolitik müsste angesichts dieser Situation ehrgeiziger agieren, auch wenn steigende konjunkturbedingte Haushaltsüberschüsse zu erwarten sind.

Deutschland vor der Hochkonjunktur – Das Bruttoinlandsprodukt expandiert in diesem Jahr um 2 Prozent, im 2015 dürfte ein Zuwachs von 2,5 Prozent erreicht werden. Während die Schwelle zur Normalauslastung der Produktionskapazitäten im laufenden Jahr überschritten wird, zeichnet sich für das kommende Jahr bereits eine beträchtliche Überauslastung von mehr als einem Prozent ab.

Investitionsattentismus ist überwunden – Nach zweijähriger Schwächephase setzen sich die zyklischen Auftriebskräfte, befeuert durch ein ultraexpansives monetäres Umfeld, zunehmend durch (Bruttoanlageinvestitionen 2014: +5,2 Prozent; 2015: +6,2 Prozent). Die Ausrüstungsinvestitionen (2014: +7,6 Prozent; 2015: +10,7 Prozent) dürften stark vom Kapazitätserweiterungsmotiv geprägt sein und gegen Ende des nächsten Jahres das Vorkrisenniveau erstmals überschreiten. Die Bauwirtschaft erhält ihre Impulse vor allem durch den Wohnungsbau (2014: +5,1 Prozent; 2015: +4,3 Prozent), der weiterhin von historisch niedrigen Hypothekenzinsen angeregt wird und am Ende des Prognosezeitraums nicht mehr allzu weit von den Höchstständen der 1990er Jahre entfernt ist.

Konsum zieht kräftig an – Gute Arbeitsmarktperspektiven, niedrige Zinsen und steigende verfügbare Einkommen lassen die privaten Konsumausgaben deutlich steigen (2014: +1,6 Prozent; 2015: +2 Prozent). Die Nettolöhne sind in beiden Jahren die am stärksten sprudelnde Einkommensquelle; im nächsten Jahr steigen sie so kräftig wie seit 1991 nicht mehr.
§ Belebung des Außenhandels, Importdynamik übersteigt Exportanstieg – Die lebhafte Konjunktur bewirkt einen Importsog (2014: +6,8 Prozent; 2015: +8,8 Prozent), der den Anstieg der sich ebenfalls belebenden Exporte (2014: +5,3 Prozent; 2015: 7,6 Prozent) kompensiert, so dass vom Außenhandel rein rechnerisch keine Expansionsimpulse ausgehen. Verbesserte Terms-of-Trade sowie höhere Zinsüberschüsse lassen den Überschuss in der Leistungsbilanz jedoch weiter anschwellen und in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf dem bisherigen Niveau von 7,6 Prozent verharren.

Starker Anstieg der Arbeitsleistung, weniger Erwerbslose – Das Arbeitsvolumen steigt in beiden Jahren kräftig (2014: +1,2 Prozent; 2015: +1,5 Prozent) und erreicht gegen Ende des Prognosezeitraums fast den – durch unproduktive Ostbetriebe seinerzeit überzeichneten – Spitzenwert von 1991. Während die Zahl der Erwerbstätigen stark zunimmt (2014: +370 Tausend; 2015: +415 Tausend) geht die Arbeitslosigkeit leicht zurück (Quote 2014: 6,7 Prozent; 2015: 6,5 Prozent).

Steigende Haushalsüberschüsse, aber Finanzpolitik müsste ambitionierter sein – Der konjunkturelle Rückenwind erhöht die Überschüsse im gesamtstaatlichen Haushalt (in Relation zum BIP 2014: 0,2 Prozent; 2015: 0,6 Prozent). Sonderfaktoren (Zinstief, Substanzverzehr in der öffentlichen Infrastruktur, demografisches Zwischenhoch) lassen den Kurs der Finanzpolitik solider erscheinen als er ist. Eine unzureichende Konsolidierungspolitik gepaart mit kontraproduktiven wachstumspolitischen Maßnahmen (Mindestlohn, Frühverrentung, Energiepolitik) erhöhen die Stabilitätsrisiken in Deutschland und drohen die Anpassungslasten in der nächsten Bereinigungskrise unnötig zu erhöhen.Geldpolitik in gefährlichem Fahrwasser für Deutschland und die EWU – Die EZB hat ihren monetären Expansionsgrad weiter erhöht. Damit nehmen die konjunkturellen Überhitzungsgefahren für Deutschland zu. Es steigen aber auch die Stabilitätsrisiken für den Euroraum, denn die Geldpolitik ist im Begriff, ihre Möglichkeiten zu überschätzen. Mit immer neuen Liquiditätsspritzen droht sie mehr neue Probleme zu schaffen als sie löst, da die Ursachen für die Krise im Euroraum nicht mit monetären Manövern zu bewältigen sind. (Pressemeldung vom 12.06.2014) 

Quelle: Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel | Foto: IfW
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