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Wirtschaft
Ostseeraum ist und bleibt ein natürlicher Partner für den Hamburger Hafen
Donnerstag, der 27.Oktober 2011

Hamburg: Die Ostsee-Region ist für Deutschland im Allgemeinen und den Hamburger Hafen im Besonderen von großer Bedeutung. Die in Jahrhunderten gewachsenen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Verflechtungen mit den verschiedenen Ostseeanrainer-Staaten sind sehr eng. Für viele dieser Länder von ihnen ist der Hamburger Hafen weiterhin das Tor zur Welt im Überseeverkehr. Allein 2010 wurden rund 2,4 Millionen TEU mit Ziel- und Quelle Ostseeraum über den Hamburger Hafen abgewickelt, davon rund 1,6 Millionen TEU auf dem Seeweg.

Jetzt geht es darum, das Erarbeitete abzusichern und weiter auszubauen. Einen Beitrag dazu soll das mit EU-Mitteln geförderte, transnationale Projekt „Amber Coast Logistics“ (ACL) leisten. Der Projektname ist bewusst gewählt. Denn das englische Wort „Amber“ steht für „Bernstein“, das „Gold der Ostsee“. Das bis zum Frühjahr 2013 laufende Projekt wird von Hafen Hamburg Marketing (HHM) koordiniert. Sebastian Doderer und Marina Rimpo obliegt die Projektkoordination.

Rund 80 Teilnehmer aus verschiedenen Ostseeanrainer-Ländern haben sich in der Hansestadt zur Eröffnungskonferenz eingefunden, um einen kompakten Überblick über die vor allen Mitwirkenden liegenden Aufgaben zu bekommen. Die Veranstaltung selber gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischeren Teil. Stefan Herms, Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen in der Hamburger Senatskanzlei, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass der Stadtstaat Hamburg ein ausgeprägtes Interesse daran hat, dass die Beziehungen mit den Ländern des Ostseeraums auf einem sehr hohen Niveau weiterentwickelt wer-den. Ausdrücklich würdigte Herms, dass das Projekt „ACL“ auch jene Staaten mit einbezieht, die nicht Bestandteil der EU sind, sehr wohl aber für den Wirtschaftsraum Ostsee von großer Bedeutung sind - Russland, Weißrussland und die Ukraine. Damit leiste das EU-Vorhaben auch einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige politische Verständnis auf dem europäischen Kontinent.

Sebastian Doderer, Projektleiter bei HHM, gab einen Überblick über die verschiedenen Zielsetzungen von ACL. Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass die Fäden für dieses Projekt in der Elb-Metropole zusammenlaufen. Angestrebt werde, die heute schon bestehenden zahlreichen Netzwerke weiter zu stärken und auch auszubauen. Es sei zu hoffen, dass aus dem Projekt heraus wichtige Impulse an die Seehafenverkehrswirtschaft und Logistik gerichtet würden.

Kurt Bodewig, Bundesverkehrsminister a.D., vermittelte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Baltic Sea Forum (BSF), einen kompakten Überblick über das wirtschaftliche Potenzial des Ostseeraums. „Dieser Teil Europas ist eine Region der Stabilität. Und das ist etwas, worauf alle Beteiligten stolz sein können“, sagte Bodewig. Schon heute tragen die EU-Ostseestaaten zu gut einem Drittel der Wirtschaftskraft der Europäischen Union bei. Auch Bodewig wies auf die starke Position des Hamburger Hafens für den Warenverkehr zwischen den Ostsee-Anliegern, aber auch deren Einbindung in den Welthandel, hin. Ein zentrales Anliegen der Ostseeregion sei das Thema Umweltschutz. Ihr komme durchaus eine Pionierrolle für die Welt zu, so beim maritimen Umweltschutz. Die Ostsee wurde weltweit das erste Seegebiet, in dem Schiffstreibstoff mit besonders niedrigen Schwefelgrenzwerten zu verwenden ist. Bis 2015 würde dieser Standard sogar nochmals verschärft. Auch wenn die Schifffahrt diese Entwicklung noch kritisch begleitet und Nachteile befürchtet, bergen die neuen Auflagen aus Sicht Bodewigs´ auch viele neue Chancen in sich.

Gerhard Almer, Botschafter im Auswärtigen Amt in Berlin und Leiter des Arbeitsstabs für die Deutsche Präsidentschaft des Ostseerates (CBSS - Council of the Baltic Sea States), widmete sich in seinem Vortrag den großen politischen Veränderungen im Ostseeraum seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989. Bereits drei Jahre nach dem Fall wurde der Ostseerat aus der Taufe gehoben. Er setzt sich für ein weiteres Zusammenwachsen der Staaten- und Völkergemeinschaft rund um die Ostsee ein. Vom Sommer nächsten Jahres an werde Russland die Präsidentschaft übernehmen.

„Unterm Strich mehr Schaden als Nutzen“ wird die international zum 1. Januar 2015 beschlossene Einführung neuer Schwefelbelastungs-Obergrenzen beim Schweröl in der Ost- und Nordsee nach sich ziehen. Davor warnte Bernd Bertram, Deutschland-Chef der dänischen Unifeeder-Gruppe, dem Marktführer bei den Shortsea- und Feeder-Verkehre in der Nord- und Ostsee. Die Maßnahme werde Seetransporte in der Ost- und Nordsee erheblich verteuern, was wiederum zu einer Rückverlagerung von Ladung vom Schiff auf die Straße führen werde. Bertram nannte die Anzahl von rund 800.000 Frachteinheiten, die auf Jahresbasis vom Schiff an den Lkw verloren würden. Die Rücknahme der Entscheidung sei auch deshalb vertretbar, weil andere Seegebiete, zum Beispiel das ebenfalls zur EU gehörende Mittelmeer oder das Schwarze Meer, erst Jahre später mit verschärften Schwefelobergrenzen konfrontiert würden. Die „Atempause“ benötige die Schifffahrtsindustrie, um Alternativtechnik prüfen und dann auch bestellen zu können.

Erhebliche Kritik richtete Bertram an das Bundesverkehrsministerium, weil es den Ernst der Lage auf dem in seine Obhut fallenden Nord-Ostseekanals (NOK) immer noch nicht erkannt habe. Vor allem der Zustand der maroden Schleusen, die so alt seien wie der NOK selbst. Die Tatsache, dass der Schleusenkomplex in Brunsbüttel schon seit langem „nur noch im Notbetrieb erfolgen kann, ist für die Reeder eine Zumutung und nicht mehr länger akzeptabel“, betonte Bertram.

Marcel Sames, General Manager beim deutsch-polnischen Bahnunternehmen Polzug, zeigte in seinem Vortrag die Möglichkeiten des Bahngüterverkehrs zwischen Nordwesteuropa sowie Zentral- und Osteuropa und weiter in Richtung Russland auf. Polzug, nunmehr seit 20 Jahren erfolgreich am Markt, habe in diesem Zeitraum ein leistungsstarkes Transportnetz aufgebaut. Zu den jüngsten, richtungweisenden Expansionsschritten gehöre die Inbetriebnahme des neuen Hub im polnischen Posen (Poznań) Ende September. Diese auch für andere Bahn-Operateure offen stehende Einrichtung trage dazu bei, den Schienengüterverkehr von und nach Polen und darüber hinaus auf ein völlig neues Qualitätsniveau zu heben. Sames wies allerdings auch darauf hin, dass der Schienengüterverkehr von und nach Zentral- und Osteuropa – und darüber hinaus – weiterhin mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen habe. Er kritisierte, dass die Verkehrspolitik dieser Länder den Lkw klar bevorteile. Das zeige sich unter anderem darin, dass erheblich mehr Gelder in den Ausbau des Straßen- als des Schienensystems flössen. Auf der anderen Seite würde die Schiene vergleichsweise teurer, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn weiter unter Druck setzt.

Über die Möglichkeiten und die Rolle von Güterverkehrszentren („Freight Villages“), auch für die Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, referierte Kent Bentzen, Vize-Präsident der 1991 gegründeten europäischen GVZ-Dachgesellschaft „Europlatforms EEIG“. Heute gehören dieser Einrichtung rund 70 Logistikparks an, in denen mehr als 2.400 Transport- und Logistikunternehmen tätig sind. Bentzen betonte, dass die EU-Kommission die Rolle der GVZ für einen funktionierenden europäischen Güterverkehr erkannt habe und sie wo möglich fördere und stärke. Das erfolge beispielsweise über das Transeuropäische Transportnetzwerk (TEN). Mit Blick auf die Staatengemeinschaft im weiter ostwärts gelegenen Teil der Ostseeregion sprach sich Bentzen dafür aus, auch dort schrittweise ein GVZ-Netzwerk aufzubauen, so, wie es bereits in den anderen geographischen Bereichen der EU der Fall sei.

Einen interessanten Einblick in die Verkehrspolitik Weißrusslands gab Dmitry Solomakho von der Belarusian National Technical University aus Minsk. Sein Land verstehe sich als natürliches Tor und damit auch Drehscheibe für Güterverkehre bis nach Russland und Kasachstan. Die Regierung wende erhebliche Geldmittel auf, um die Verkehrswege zu modernisieren und auszubauen. Darüber hinaus sollen in dem für westeuropäische Verhältnisse sehr großen Land bis zu zehn leistungsstarke GVZ eingerichtet werden. Das mit Abstand größte Vorhaben sei das bei Minsk gelegene Prilesie Logistic Center. Der erste Bauabschnitt soll 2012 ans Netz gehen. Zu den großen Vorzügen dieses vollständig auf der grünen Wiese errichteten Logistikparks gehören unter anderem seine sehr guten Anbindungen an die Infra-struktur sowie die großzügige Flächenverfügbarkeit. Mit Blick auf das ACL-Projekt hoffe er, dass in diesem Rahmen auch auf die Potenziale dieses neuen GVZ hingewiesen werden könne. Bei der Umsetzung ihres GVZ-Generalplans sei die Regierung in Minsk jedoch auch auf ausländische Investoren angewiesen, betonte Solomakho. (Pressemeldung vom 26.10.2011)

Quelle: Hafen Hamburg | Foto: Hafen Hamburg
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