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Wirtschaft
solvertec - Start-up-Unternehmen könnte weltweit den Halbleitermarkt verändern
Montag, der 6.Januar 2014
solvertec - Start-up-Unternehmen könnte weltweit den Halbleitermarkt verändern

Bremen: Die Bremer Start-up-Firma solvertec existiert noch nicht einmal ein Jahr. Aber das Unternehmen steht schon jetzt in den Startlöchern, mit einem weltweit einmaligen Kniff, die Fehlersuche in den Plänen für Computerchips extrem zu vereinfachen. So könnten die Hersteller jede Menge Zeit und Geld sparen.

Denn die Bremer Firma hat eine Automatisierungs-Software entwickelt, die logische Fehler der Chips schon in ihrer Planung aufspürt. "Mit wenigen Klicks können Fehlerursachen im Code aufgezeigt und behoben werden", sagt Daniel Große, der zusammen mit Jan Wessels und André Sülflow die junge Firma führt. "Darüber hinaus kann unsere Software für beliebig große Schaltkreise eingesetzt werden und macht so die Entwicklung von Chips der nächsten Generation möglich." Klar, dass das Bremer Produkt für die Chip-Entwickler rund um den Globus interessant sein dürfte. Unternehmen können bei den Bremern den Fehlerursachen-Such-Algorithmus per Lizenz kaufen.

Fehler passieren immer
Früher war alles einfacher – schon klar. Aber im Prinzip sind die Probleme die alten geblieben, nur viel, viel kleiner, jedenfalls bei den elektrischen Schaltungen. Früher waren es klickende Relais, die den Dampfradios die Musik beibrachten. Das Innenleben der brummenden Kästen bestand aus gelöteten Leitungen, aus Röhren und Steckern. Moderne Geräte verwenden für die gleichen Aufgaben Computer-Chips. Sie bestehen aus mehreren hundert Millionen Bauteilen, die heutzutage um die 40 Nanometer groß sind (eine Milliarde Nanometer ergeben einen Meter; 40 Nanometer sind also ziemlich wenig).

Geplant werden mussten Leitungen und Schalter schon immer. Begreiflicherweise ist das für Computer-Chips aber viel schwieriger als für Opas alte Relais. Egal ob es um Mobiltelefone geht, das Navi im Auto, eine Ampelschaltung oder einen Wecker: Chips allerorten. Längst halten die Halbleiter die Fäden aller funktionierender Technik fest in der Hand. Bis aber ein Computer-Chip nach dem anderen gefertigt werden kann und vom Band läuft, müssen die Programmierer ran. Sie müssen den mit mehreren hauchdünnen Metallschichten versehenen schlauen Winzlingen per Software planvoll erklären, was sie wie, wann und in welcher Reihenfolge zu tun haben.

Bei dieser Bildschirmarbeit kann allerdings eine Menge schief gehen. "Es ist wie bei einem Roman, wo irgendwie die Handlung unlogisch wird", erklärt Daniel Große. "Auch wenn man einen neuen Chip plant, können einem solche Logik-Fehler unterlaufen, wenn man beispielsweise eine komplizierte Bedingung nicht vollständig berücksichtigt hat. Dem Roman fehlt also ein wesentliches Puzzle-Teil, was dem Autor möglicherweise gar nicht auffällt, aber vielleicht einem aufmerksamen Leser." Das Problem: Richtig teuer wird es, wenn Chip für Chip fehlerhafte Produkte vom Band laufen und die Hersteller dann ihre Chips vom Markt nehmen müssen. "Intel hat so eine Rückruf-Aktion mal 475 Millionen Dollar gekostet, weil beispielsweise Tabellenkalkulationsprogramme in bestimmten Fällen mit korrekten Formeln falsche Ergebnisse lieferten", sagt Große.

Halbleiter werden immer komplexer

Deshalb beschäftigen die großen Chipentwickler immer mehr Menschen, die die Chip-Pläne weitgehend von Hand nach Fehlern durchforsten und analysieren müssen. Es geht schließlich um viel Geld. Nun werden aber die Halbleiter immer komplizierter, alle 18 Monate verdoppelt sich ihre Komplexität, so lautet das Branchengesetz. Deshalb müssen die Firmen auch immer mehr Menschen beschäftigen, die in den Chip-Plänen die Fehlerursachen suchen, sagt Große. "Wenn das so weiter geht, müssten im Jahr 2050 so viele Menschen auf Chipfehler-Suche gehen, wie Indien Einwohner hat."

Schon heute wenden die Entwickler ein Drittel des Zeitaufwands eines neu zu entwickelnden Chips dafür aus, Fehlerursachen zu finden und zu beheben. Das kostet. Kurz: Es ist Zeit für eine Lösung. Genau hier kommt solvertec ins Spiel. Geboren wurde die Gründungsidee in der von Professor Rolf Drechsler geleiteten Arbeitsgruppe "Rechnerarchitektur" der Universität Bremen. "Irgendwann haben wir erkannt, dass aus unserer Idee etwas werden könnte", sagt Große, der ebenso wie André Sülflow bei der Entwicklung dabei war. Dann hat das Forscherteam über das Gründungsstipendium EXIST-Forschungstransfer beim Bundeswirtschaftsministerium Geld beantragt und schließlich Fördermittel für den Start bekommen. "Dies ermöglichte es, aus der Universität heraus mit der Produktentwicklung zu beginnen", sagt Jan Wessels, der bei solvertec für Finanzierung und Geschäftsplanung zuständig ist.

"Wir haben schon in der Uni sehr früh in Pilotprojekten begonnen, externe Chipentwickler mit einzubeziehen, um unsere Software genau in die Richtung zu entwickeln, die der Markt benötigt", sagt Große. Eine Weichenstellung, die nun Früchte trägt: "Die Korrektur eines Fehlers, für den ein Projektpartner 64 Stunden benötigte, war mit unserer Software in zehn Minuten zu schaffen." Klein, aber aha, sozusagen.

Vom Silicon Valley bis nach Bremen
Der Markt für die pfiffige Erfindung ist riesig. Denn die kleinsten Chips brauchen die dicksten Fabriken. Gut fünf Milliarden Euro steckt ein Unternehmen wie Intel in eine Fabrik, in der eine neue Chip-Generation vom Band laufen soll. Um solche Investitionen wieder herein zu holen, muss verdient werden. "In der Halbleiterbranche werden weltweit jährlich 300 Milliarden US-Dollar umgesetzt", sagt Wessels. Ein Stück von diesem Kuchen wird von Firmen umgesetzt, die Unterstützungssoftware für die Halbleiterunternehmen entwickeln. Das Herz der Branche schlägt im fast sprichwörtlichen "Silicon Valley" in Kalifornien / USA. Derzeit sind die Voraussetzungen gut, dass bald ein großer Teil des Umsatzes auch in Bremen gemacht wird. Für ihr Konzept wurden die Macher von solvertec bereits bei den Gründerwettbewerben IKT Innovativ und Weconomy Award ausgezeichnet. (Pressemeldung vom 03.01.2014)

Quelle: WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, Christian Beneker | Foto: WFB, Bremen
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