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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind trotz Krise leicht im Aufwind.
Donnerstag, der 6.Oktober 2011
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind trotz Krise leicht im Aufwind.
Brüssel: Anlässlich der vom 3. - 9. Oktober in ganz Europa stattfindenden KMU-Woche stellte die Europäische Kommission heute ihren Bericht über kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für das Jahr 2010 vor, einschließlich Kurzdarstellungen zu den einzelnen EU-Mitgliedstaaten (die sogenannten SBA-Factsheets). Der Bericht trägt den Titel „Erholen sich die KMU in der EU von der Krise?“
 
Dem Bericht zufolge bilden die KMU weiterhin das wirtschaftliche Rückgrat der EU. 2010 waren im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen EU-Wirtschaft fast 20,8 Millionen KMU tätig; davon waren 19,2 Millionen Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Insgesamt entfielen auf die KMU mehr als zwei Drittel (87,5 Millionen) aller Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft der EU. Ihr Anteil an der Gesamtbruttowertschöpfung betrug 58,4 %; der Rest entfällt auf die 43 000 Großunternehmen, die nur 0,2 % aller EU-Unternehmen ausmachen.
 
Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der KMU 2011 um 0,9 % und ihre Bruttowertschöpfung um 3,9 % zunehmen wird. Die Beschäftigtenzahl dürfte nach einem zwei Jahre währenden Rückgang um 0,4 % steigen. Die Krise ist jedoch noch nicht überwunden. Die KMU gehen nach wie vor unsicheren Zeiten entgegen.
 
Die Kommission koordiniert die KMU-Woche vom 3. - 9. Oktober. Sie verfolgt das Ziel, KMU anzukurbeln und die unternehmerische Initiative zu fördern, damit sich mehr Menschen mit dem Gedanken anfreunden, unternehmerisch tätig zu werden. Die beiden Hauptthemen in diesem Jahr sind die Übertragung von Unternehmen und die Möglichkeit, Unternehmern nach einem Konkurs eine zweite Chance zu geben. Die Hauptveranstaltung, das Gipfeltreffen der europäischen KMU-Woche (European SME Week Summit), findet am 6. und 7. Oktober 2011 im Europäischen Parlament statt. Sie wird von der Kommission zusammen mit der interfraktionellen Arbeitsgruppe „Kleine und mittlere Unternehmen“ des Europäischen Parlaments und Interessenorganisationen veranstaltet.
 
Der für Industrie und Unternehmertum zuständige Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani erklärte: „Dass die Erholung im Jahr 2010 von den KMU ausging, zeigt deutlich, wie wichtig sie für Wachstum und Beschäftigung sind. Mit der KMU-Woche möchten wir einmal mehr hervorheben, welch entscheidende Rolle die kleinen und mittleren Unternehmen für die europäische Wettbewerbsfähigkeit spielen und wie dringlich es für die Politik ist, unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie ihr Potenzial entfalten können. Europa braucht neue kreative und innovationsfreudige Unternehmer, die bereit sind, Risiken einzugehen. Dies ist der wichtigste Weg, die Krise zu meistern.“
 
2010 wurde die wirtschaftliche Erholung von den KMU vorangebracht
Der neue Bericht stellt fest, dass sich die KMU 2010 von der Rezession in den Jahren 2008/2009 erholten. Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen machten sie die schlimmsten Folgen des Abschwungs im Jahr 2009 allmählich wett. Die Zahl der KMU in der EU blieb gegenüber 2009 mit insgesamt 20,8 Millionen konstant. Nach einem Rückgang von 6,4 % im Jahr 2009 legte die zusammengefasste Bruttowertschöpfung der KMU im Jahr 2010 um 3,4 % zu (hinzu kommt ein geschätzter Anstieg von 3,7 % im Jahr 2011). Es wäre allerdings zu früh, die Entwicklung als uneingeschränkte Erholung der KMU einzustufen, da sich die Beschäftigungslage noch nicht in gleichem Maße verbessert hat. Der 2009 einsetzende Rückgang der Beschäftigungszahlen (‑2,7 %) verlangsamte sich 2010 zwar auf ‑0,9 %, dennoch ist von einem Nettoverlust von über 823 000 Stellen in den europäischen KMU auszugehen. Kleinstunternehmen waren von der Rezession weniger stark betroffen als kleine und mittlere Unternehmen; sie erholen sich aber auch langsamer. Nach Wirtschaftszweigen betrachtet nehmen die KMU – sowohl nach der Bruttowertschöpfung als auch nach der Beschäftigungszahl – eine beherrschende Stellung in der Baubranche ein, ferner im Groß‑ und Einzelhandel, im Beherberungs‑ und Gaststättengewerbe sowie im Bereich Grundstücks‑ und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Erbringung von unternehmensbezogenen Dienstleistungen.
 
Der SME Performance Review 2010 (KMU-Leistungsüberprüfung 2010) zufolge, lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
 
Die Gruppe der Länder, in denen die KMU sowohl bei der Bruttowertschöpfung als auch bei der Beschäftigung positive Wachstumsraten aufweisen, umfasst Österreich, Deutschland, Luxemburg, Malta, Rumänien, Schweden und das Vereinigte Königreich.
Zur Gruppe der Länder, in denen die KMU sowohl bei der Bruttowertschöpfung als auch bei der Beschäftigung negative Wachstumsraten aufweisen, zählen Griechenland, Irland, Spanien, Lettland und Litauen.
Die Gruppe der Länder, deren KMU bei der Bruttowertschöpfung eine positive, bei der Beschäftigung hingegen eine negative Wachstumsrate aufweisen, die also einen Aufschwung ohne Beschäftigungszuwachs verzeichneten, umfasst Belgien, Bulgarien, die Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Frankreich, Italien, Zypern, Ungarn, die Niederlande, Polen, Portugal, Slowenien, die Slowakei und Finnland.
Die unterschiedliche Entwicklung der KMU ist auf Unterschiede im Bereich der Makroökonomie, beim Export, bei den Innovationen und bei der Leistung zurückzuführen sowie auf strukturelle Faktoren (siehe MEMO/11/661).
 
Was haben die Mitgliedstaaten zur Unterstützung der KMU getan?
Die SBA-Factsheets (SBA = Small Business Act) bestätigen, dass sich die Voraussetzungen für KMU im Zeitraum 2005-2011 in den meisten EU-Ländern verbessert haben. Die deutlichsten Fortschritte waren bei der Verbesserung des Zugangs zum Binnenmarkt zu verzeichnen sowie bei der Reaktionsschnelligkeit öffentlicher Verwaltungen und bei der Förderung unternehmerischer Initiative. Der einzige SBA-Bereich, in dem sich die Voraussetzungen verschlechtert haben, war der „Zugang zu Finanzmitteln“. In diesem Bereich verschlechterte sich die Lage 2010 trotz beträchtlicher strategiepolitischer Anstrengungen. Von den 588 strategischen Maßnahmen, die 2010 (und bis zum ersten Quartal 2011) von den 27 Mitgliedstaaten in verschiedenen Politikbereichen (siehe Factsheets) ergriffen wurden, konzentrierten sich allein 99 auf die Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln. Zusammen mit der Förderung der unternehmerischen Initiative und der Innovation entfielen auf diese Bereiche fast 50 % aller Maßnahmen (285). Die Lage beim Zugang zu Finanzmitteln zeigt nur zu deutlich, dass die politischen Entscheidungsträger – ungeachtet der bisher ergriffenen Maßnahmen – noch Etliches auf einzelstaatliche Ebene tun können und müssen, damit die KMU aus der Krise herausfinden.
 
Europäische KMU-Woche: Europas wichtigste Beschäftigungslokomotive auf Volldampf bringen
Die alljährlich stattfindende KMU-Woche dient der Förderung von Unternehmen in ganz Europa. In den 37 Teilnehmerländern (EU-27 sowie Albanien, Kroatien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Island, Israel, Liechtenstein, Montenegro, Norwegen, Serbien und die Türkei) werden von Wirtschaftsverbänden, Anbietern von Unterstützungsdiensten für Unternehmen, nationalen, regionalen und lokalen Behörden über 1000 Veranstaltungen organisiert; sie sollen den bestehenden Unternehmen dabei helfen, sich weiterzuentwickeln. In diesem Jahr konzentriert sich die KMU-Woche auf zwei wichtige Themen:
 
Übertragung von Unternehmen: Jedes Jahr gehen in der EU geschätzte 450 000 Unternehmen mit über 2 Millionen Arbeitsplätzen auf einen neuen Eigentümer über. Um diese Arbeitsplätze zu sichern und dafür zu sorgen, dass die übertragenen Unternehmen wachsen und gedeihen können, müssen die europäischen Mitgliedstaaten die Unternehmensübertragung einfacher und billiger machen und effektivere Unterstützungsdienste entwickeln.
Eine zweite Chance für Unternehmer: Nur 50 % aller Unternehmen überleben die ersten fünf Jahre nach ihrer Gründung. Etwa 15 % aller Unternehmensschließungen sind Konkurse, davon haben lediglich 4 - 6 % betrügerischen Charakter. Ehrlichen Unternehmern, die bereits einmal von einem Konkurs betroffen waren, sollte eine faire Chance zum Neubeginn gegeben werden: Mit ihrer Erfahrung und ihrem Engagement sind sie ein wichtiger Wegbereiter für neue Arbeitsplätze und neue Unternehmen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen einen Rechtsrahmen schaffen, der gescheiterten Unternehmern, die einen Neubeginn wagen, dieselben Chancen bietet wie Erstunternehmern; darüber hinaus müssen sie für angemessene unternehmerische Unterstützungsleistungen sorgen. (Pressemeldung vom 04.10.2011)
Quelle: EU IP/11/1149 | Foto: EU
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