Wirtschaft

Nach dem Kohle-Ausstieg der Dekarbonisierungs-Einstieg: Chance für den Industriestandort Nord-Ostdeutschland

17.02.2021

Nach dem Kohle-Ausstieg der Dekarbonisierungs-Einstieg: Chance für den Industriestandort Nord-Ostdeutschland. Regierungschefs und Minister der ostdeutschen Bundesländer sowie der Stadtstaaten Hamburg und Berlin im digitalen Austausch mit 50Hertz, IG BCE

50Hertz Transmission GmbHBayreuth: Nord-Ostdeutschland soll zu einem führenden europäischen Standort für die Industrie- und Klima-Transformation werden. Dafür machen sich der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in einer gemeinsamen Initiative mit Unterstützung der Landesregierungen stark. Zum Auftakt einer Round-Table-Reihe mit Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wurde diese Ambition gestern Abend mit Regierungschefs und Ministern aus dem 50Hertz-Netzgebiet - Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen - sowie hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern von Industrie- und Wirtschaftsverbänden diskutiert.

Politik und Wirtschaft waren sich einig, dass nach dem jetzt eingeleiteten Ausstieg aus der Kohleverstromung ein entschlossener Einstieg in eine klimaneutrale Produktion von Industrie und Wirtschaft notwendig sei. Dafür müssten der Ausbau der erneuerbaren Energien intensiviert, Prozesse schneller und effizienter gemacht und die Sektorkopplung stärker als bisher vorangetrieben werden. "Die Transformation des Energiesektors ist für die Beschäftigten im Osten eine gewaltige Herausforderung. Sie birgt aber auch die Chance, den Standort zum Vorreiter einer Zukunftstechnologie zu machen und neue, gute Arbeitsplätze zu schaffen. Dafür bedarf es jetzt dringend einer gemeinsamen Initiative aller Beteiligten", sagte der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Und Stefan Kapferer, CEO von 50Hertz, betonte: "Leistungsfähige, zuverlässige Stromnetze, die auf die Integration immer größerer Mengen volatiler erneuerbarer Energieträger ausgerichtet sind, bilden den zentralen Baustein für die Dekarbonisierung in Industrie und Wirtschaft."

Kohle-Ausstieg der Dekarbonisierungs-Einstieg: Chance für den Industriestandort Nord-Ostdeutschland

Bildunterschrift:  Vereinbarung über vertrauensvolle Kooperation zur Stärkung des "grünen" Kraftwerkstandortes Nord-Ostdeutschland getroffen, Regierungschefs und Minister der ostdeutschen Bundesländer sowie der Stadtstaaten Hamburg und Berlin im digitalen Austausch mit 50Hertz, IG BCE und Branchenverbänden. Foto: 50Hertz Transmission GmbH 

Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und Präsident des Bundesrates, sagte: "Die Bundesländer im Osten haben in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung geleistet. Dies wird auch so bleiben, denn der Kohleausstieg betrifft Mitteldeutschland und Brandenburg in besonderem Maße. Uns steht ein schwieriger Strukturwandel bevor. Es geht darum, den Industriestandort und die Energieversorgung für die Zukunft zu sichern. Nur wenn es gelingt, für die Umsetzung unserer Ziele eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen, kann der vor uns liegende Prozess erfolgreich sein."

Als Vertreter des stellv. Bundesratspräsidenten Dr. Dietmar Woidke erklärte Prof. Dr. Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg: "Gerade durch eine nachhaltige Energiepolitik wird der Grundstein für eine prosperierende Industrie im Land gelegt. Wichtig ist, dass Energiewende und Netzausbau noch mehr Hand in Hand gehen. Zudem müssen die Rahmenbedingungen für die Sektorkopplung zwischen Verkehr, Wärme und Strom verbessert werden. Die zeitweise Speicherung von erneuerbarem Strom oder dessen Umwandlung in Wasserstoff darf nicht länger mit Abgaben und Umlagen belastet und dadurch ausgebremst werden."

Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Marco Wanderwitz, sagte: "Mehr "grüner Strom" in den neuen Ländern ist wichtig für eine neue Industrialisierung. Angesichts des Klimawandels und der Notwendigkeit, schonend mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten umzugehen, müssen industrielle Wertschöpfungsketten neu gedacht und gestaltet werden. Grüner Strom ist hierbei ein zentraler Bestandteil und als eigenständiger Produktionszweig selbst ein wichtiger Aspekt der industriellen Zukunft unserer Region."

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Der Ansatz, Regionen zu Vorreitern für die Industrie- und Klima-Transformation zu machen, ist genau richtig. Studien zeigen: Die Energiewende schafft Jobs, Wachstum und Wertschöpfung vor Ort. Aber es braucht auch die passenden Rahmenbedingungen: Wir benötigen mehr Erneuerbaren-Projekte, eine Debatte über ungleiche Belastungen der Energieträger und die Finanzierung der Erneuerbaren Energien sowie eine vertiefte Sektorkopplung."

Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern: "Als Land erzeugen wir schon heute gut 180 Prozent des bei uns im Land verbrauchten Stroms erneuerbar und brauchen deshalb dringend Sektorenkopplung. Wir arbeiten im Zusammenwirken mit 50 Hertz an einem Großprojekt zur Nutzung von Erneuerbaren Energien und Wasserstoff im Rostocker Hafen.… Mecklenburg-Vorpommern ist Vorreiter mit einem verpflichtenden Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz für Windparkbetreiber und der in Vorbereitung befindlichen Wasserstoff-Forschungsfabrik in Rostock."

Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE): "Ostdeutschland ist mit seiner exzellent entwickelten Energieinfrastruktur gut aufgestellt. Die gesamte Region hat sich eine gute Position in der Erzeugung und im Management Erneuerbarer Energien erarbeitet. Es liegt an den ostdeutschen Bundesländern, jetzt den Wandel aktiv zu gestalten und die Energiewende als Innovationsschub zu nutzen. Die bereits zugesagten Strukturmittel zum Kohleausstieg sollten vor allem für die Sektorkopplung genutzt werden, um Grünen Wasserstoff, Elektromobilität und neue Systemlösungen voranzubringen. Politik und Wirtschaft müssen dafür an einem Strang ziehen."

Schon heute zeichnet sich der Nordosten Deutschlands als "grünes" Kraftwerk aus und produziert sowohl für den eigenen Bedarf als auch darüber hinaus in großen Mengen Strom aus Erneuerbaren. Darin sehen die Beteiligten einen erheblichen Standortvorteil, um bestehende Unternehmen zu halten und Neuansiedlungen anzureizen; denn die Industrienachfrage nach grünem Strom steigt. Zudem belegen zahlreiche Wasserstoff- und Speicherprojekte - ob in Hamburg, Rostock, der Lausitz oder im Chemierevier Leuna - den Trend, mit Hilfe von grünem Strom energieintensive Prozesse zu dekarbonisieren und somit zur Erreichung nationaler und europäischer Klimaschutzziele beizutragen und langfristig Kosten zu senken. Die von 50Hertz und der IGBCE angestoßene Initiative "Mit neuer Energie für starke Industriearbeitsplätze" hat das Ziel, diese Entwicklung durch koordiniertes, gemeinschaftliches Handeln zu beschleunigen. Zielgerichtete Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, eine leistungsfähige Verwaltung,,Planungssicherheit für Investitionen und Projekte der Sektorenkopplung in großem industriellen Maßstab seien dafür erforderlich.

Bei dem digitalen Auftakttreffen vereinbarten die Beteiligten eine vertrauensvolle Kooperation, um diese Ziele zu erreichen. Daran nahmen die Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haselhoff (Sachsen-Anhalt), Bodo Ramelow (Thüringen) und Michael Kretschmer (Sachsen) teil. Außerdem der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel (Mecklenburg-Vorpommern), der Minister für Wirtschaft, Energie und Arbeit, Prof. Dr. Jörg Steinbach (Brandenburg), der Senator für Wirtschaft und Innovation Michael Westhagemann (Hamburg) und der Staatssekretär für Verwaltungs-und Infrastrukturmodernisierung, Dr. Frank Nägele (Berlin). Als Vertreter des Bundes beteiligte sich der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, Marco Wanderwitz, an der Diskussion. Auf Seiten der Wirtschaft nahmen teil: Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Dr. Achim Dercks, stellv. Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Dr. Robert Hermann, Geschäftsführer Germany Trade and Invest (GTAI), Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) und Prof. Dr. Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Dem Auftaktreffen werden im Jahresverlauf weitere Round-Tables mit Wirtschaft, Verbänden und der Wissenschaft folgen. Ziel ist, gemeinsam konkrete und konstruktive Vorschläge für die spezifischen Erfordernisse einzelner Branchen zu entwickeln.

(Pressemeldung vom 12.02.2021)
Quelle: 50Hertz Transmission GmbH | Foto: 50Hertz Transmission GmbH
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