Wirtschaft

Logistik-Indikator im zweiten Quartal 2014: Aufschwung in der deutschen Logistikwirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

25.06.2014

ifw | Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) Kiel: Nach dem leichten Dämpfer zum Jahresauftakt sind die Zeichen für die Logistikkonjunktur in Deutschland wieder deutlich auf Expansion gerichtet. Hierauf weist die jüngste Erhebung (Junibefragung) zum Logistik-Indikator hin, den das Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) ermittelt.

Lageeinschätzung deutlich besser, Erwartungen legen nur leicht zu
Das Gesamtklima legte um gut 8 auf nunmehr 138,8 Punkte zu. Die günstigere Konjunkturbeurteilung ist vor allem auf eine verbesserte Lageeinschätzung (Anstieg um 11,3 auf 133,4 Zähler) zurückzuführen, während die Erwartungen für die kommenden 12 Monate nur leicht um 5 auf 142,2 Indexpunkte zulegen konnten. Maßgeblich trug die Anbieterseite (Logistikdienstleister) zur konjunkturellen Stimmungsaufhellung bei: während sich das Dienstleisterklima kräftig um 14,5 auf jetzt 145,8 Punkte verbesserte, verharrte der Wert für die Logistikanwender in Industrie und Handel nahezu auf seinem Vorquartalswert (Anstieg um 1,9 auf 129,7 Zähler).

"Genießen wir in wirtschaftlich 'heißen' Zeiten die zuversichtliche Wirtschaftslage, das gute Klima und die noch besseren Erwartungen. Um die Metapher von Wein und Wasser zu bemühen: Sommerwein muss genossen werden, sobald er auf dem Markt ist. Im nächsten Winter könnte er schon viel von seiner Spritzigkeit verloren haben", sagte Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der BVL, zum Ergebnis der aktuellen Erhebung.

Konjunkturtendenz am aktuellen Rand: Anbieter verhaltener zuversichtlich als Anwender
Hinsichtlich der kurzfristigen Konjunkturtendenz, der Geschäftsentwicklung im nächsten Quartal, ist die Zuversicht auf der Anbieterseite indes verhaltener als bei den Anwendern. Per Saldo erwarten 22 Prozent der Anbieter und 38 Prozent der Anwender eine Verbesserung der Geschäftslage bzw. der Nachfrage nach Logistikleistungen.

Logistikdienstleister: Lageeinschätzung und Ausblick auf die kommenden 12 Monate auf 3-Jahres-Hoch
Das deutlich aufgehellte Konjunkturklima seitens der Logistikdienstleister spiegelt vor allem eine deutlich günstigere Lageeinschätzung im zweiten Quartal wider. Der entsprechende Indikator zog auf breiter Front kräftig um 18,9 auf 145,8 Punkte an. Ein derart hohes Niveau wurde zuletzt vor drei Jahren erreicht. „Dies mag erklären, warum der Optimismus der Befragten hinsichtlich einer weiteren Verbesserung in den nächsten drei Monaten etwas verhaltener ausgefallen ist“, erklärt IfW-Forscher Prof. Stefan Kooths, der die Berechnung des Logistik-Indikators betreut. Der Ausblick auf die kommenden 12 Monate hat sich demgegenüber merklich um 10 auf 147,3 Zähler verbessert. „Auch dieser Wert markiert ein 3-Jahres-Hoch, wobei alle Erwartungskomponenten sehr ausgewogen auf eine weitere Expansion hindeuten, so dass der positive Ausblick über die weitere Geschäfts- und Auftragsentwicklung durch eine entsprechende Bereitschaft zum Ausbau der Personal- und Sachkapazitäten begleitet ist“, so Kooths weiter.

Logistikanwender: nur leicht bessere Lageeinschätzung und praktisch konstante Erwartungen
Das nur geringfügig verbesserte Geschäftsklima der Logistikanwender in Industrie und Handel beruht ausschließlich auf einer leicht besseren Lageeinschätzung (Anstieg um 3,8 auf 122,3 Punkte). Diese wiederum geht auf eine im Markt als weniger knapp wahrgenommene Kapazitätsverfügbarkeit zurück, was in der Tendenz (wenn auch nicht der Stärke nach) die Einschätzung der Logistikanbieter bestätigt. Hinsichtlich der Erwartungen für die kommenden 12 Monate hat es lediglich Verschiebungen gegeben; bei leicht verbesserten Geschäftsaussichten haben die Einschätzungen hinsichtlich der zusätzlichen Logistikbedarfe auf hohem Niveau leicht nachgegeben. Darüber hinaus steht nunmehr den wieder deutlicheren Absichten zum Beschäftigungsaufbau eine nicht mehr ganz so starke Ausweitung der Sachkapazitäten gegenüber.

Ukraine-Krise und mögliche Sanktionen gegen Russland: derzeit keine dauerhaften negativen Effekte auf die Logistikwirtschaft erwartet
Von der derzeitigen Staatskrise in der Ukraine sowie möglichen Sanktionen gegen Russland gehen nach Ansicht der Befragten derzeit keine dauerhaften negativen Effekte auf die Logistikwirtschaft in Deutschland aus. Hinsichtlich der kurzfristigen Wirkungen zeigt sich die Anbieterseite robuster als die Anwender. „Fast die Hälfte der befragten Logistikdienstleister erwarten keinerlei negative Wirkungen, bei den Industrie- und Handelslogistikern sind es nur 2,5 Prozent“, erläutert IfW-Forscher Kooths. „Aber auch die Anwenderseite sieht derzeit allenfalls temporäre Wirkungen. Die eine Hälfte unter ihnen rechnet mit temporären Einbußen, während die andere davon ausgeht, dass mögliche Beeinträchtigungen durch ein lebhafteres Geschäft mit anderen Ländern kompensiert werden kann“, so Kooths weiter. Auf der Anbieterseite teilen 29 Prozent bzw. 18 Prozent diese Einschätzungen. (Pressemeldung vom 25.06.2014)

Quelle: Institut für Weltwirtschaft | Foto: ifw
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