Wissenschaft

Laserkommunikation mit Satelliten

14.10.2022

DLR Deutsches Zentrum für Luft- und RaumfahrtKöln-Porz | Oberpfaffenhofen: Satelliten werden zusehends zu Netzwerkknoten des Internets. Während terrestrische Knoten über Glasfasernetze eingebunden sind, können Satelliten mit aktuellen Entwicklungen nur dann mithalten, wenn sie ebenfalls optisch vernetzt werden. Programme der europäischen Kommission wie die Secure Connectivity Initiative stützen sich ebenso auf diese Technologie wie eine Vielzahl kommerzieller Netzwerke wie Starlink oder Oneweb, die mit ihren nächsten Generationen ähnliche Entwicklungen anstreben. Im Zentrum der Überlegungen stehen optische Satellitenlinks, wie sie am Institut für Kommunikation und Navigation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) seit mehr als 20 Jahren konzipiert, entwickelt und getestet werden. Optische Verbindungen werden zudem nicht nur für Kommunikationsnetzwerke in Betracht gezogen, sondern auch für die Quantenverschlüsselung. Diese soll das sichere Internet der Zukunft ermöglichen und die nächste Generation von Satellitennavigationssystemen. Das DLR betreibt seit vielen Jahren experimentelle Bodenstationen, um diese Technologien voranzutreiben. Am 12. Oktober 2022 wurde nun eine neue leistungsstärkere Bodenstation am DLR-Standort Oberpfaffenhofen eingeweiht.

  • Laserkommunikation wird zukünftig ein unverzichtbares Instrument für eine schnelle und sichere Datenverbindung per Satellit sein.
  • Die vielfältigen Möglichkeiten der optischen Freiraumkommunikation können nun mit einer neu ausgebauten Bodenstation am DLR-Standort Oberpfaffenhofen getestet und weiterentwickelt werden.
  • Die Technologie ermöglicht Datenraten im Terrabit-Bereich, die Nutzung von Quantenverschlüsselungstechnologien sowie hochpräzise Satellitennavigationssysteme

„Zukünftig wird es immer wichtiger, Satelliten effizient miteinander zu vernetzen sowie den Datenaustausch zum Boden sicher und leistungsstark zu gestalten im Angesicht der immer größeren Datenmengen bei Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung ebenso wie vor dem Hintergrund knapper werdender Funklizenzen“, sagt die DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla. „Die optische Freiraumkommunikation bietet hier eine vielversprechende Perspektive, deren vielfältige Möglichkeiten wir mit der neu ausgebauten Bodenstation in Oberpfaffenhofen austesten und weiterentwickeln werden. Insbesondere bei der Absicherung des Austauschs sensibler Daten etwa bei kritischen Infrastrukturen im All und auf der Erde können uns Lösungen der satellitenbasierten Quantenkommunikation entscheiden voranbringen.“ Das Kernstück der neuen optischen Bodenstation ist ein neues Teleskop mit 80-Zentimeter Durchmesser in einer sogenannten Coudé-Anordnung, bei der das Licht des Teleskops über Spiegel direkt in ein Labor darunter geführt wird. Dies ermöglicht völlig neue Experimente, die in dieser Form bislang nicht durchgeführt werden konnten.

Laserkommunikation mit Satelliten

Foto: Einweihung der neuen optischen Bodenstation - Am 12. Ok­to­ber 2022 wur­de die neue leis­tungs­star­ke op­ti­sche Bo­den­sta­ti­on fei­er­lich am DLR in Ober­pfaf­fen­ho­fen ein­ge­weiht. (v.l.n.r.) Dr. An­ke Pa­gels-Kerp, DLR-Be­reichs­vor­stän­din Raum­fahrt, Dr. Chris­ti­an Fuchs, DLR-Ab­tei­lungs­lei­ter für Op­ti­sche Sa­tel­li­ten­links, Prof. Chri­stoph Gün­ther, DLR-In­sti­tuts­di­rek­tor Kom­mu­ni­ka­ti­on und Na­vi­ga­ti­on, Dr.-Ing. Flo­ri­an Da­vid, Stell­ver­tre­ten­der In­sti­tuts­di­rek­tor, Dr. Ca­ro­lin Rich­ter, Head Di­vi­si­on Sa­tel­li­te Na­vi­ga­ti­on and Sa­tel­li­te Com­mu­ni­ca­ti­on, Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Di­gi­ta­les und Ver­kehr, Flo­ri­an Moll, DLR-In­sti­tut für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Na­vi­ga­ti­on.  © DLR. Alle Rechte vorbehalten

Datenübertragung mit Terabit-Geschwindigkeit
Optische Verbindungen zwischen Satelliten und den Empfangsstationen am Boden, wie sie bei der Anbindung von Kommunikationssatelliten an das Internet oder bei der Datenübertragung von Erdbeobachtungsatelliten an deren Daten-Prozessierungszentren eingesetzt werden, sind mit dem nötigen Weg durch die Atmosphäre eine besondere Herausforderung. Temperaturschwankungen in der Atmosphäre führen zu einer Verzerrung der optischen Satellitensignale, die Übertragungsfehler bewirken können.

Laserkommunikation mit Satelliten

Infografik: Die In­fo­gra­fik zeigt die An­ord­nung der neu­en Bo­den­sta­ti­on, bei der das Licht des Te­le­skops zur Si­gnal­ana­ly­se in das dar­un­ter lie­gen­de La­bor­ge­bäu­de ge­lei­tet wird.  Infografik: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Die neue Bodenstation erlaubt es diese Phänomene genauer als bisher zu untersuchen, um Verfahren für eine fehlerfreie Übertragung auch unter schwierigen Bedingungen zu erreichen. So zielen die Arbeiten des DLR-Instituts für Kommunikation und Navigation sowohl darauf ab, Signale am Boden bestmöglich empfangen zu können, als auch die Sendesignale der Bodenstation so „vorzuverzerren“, dass sie den Satelliten im All möglichst ungestört erreichen. In bodennahen Versuchen konnte das Institut bereits 2016 eine Übertragungsrate von 1,72 Terabit pro Sekunde erreichen und 2017 eine Übertragungsrate von 13.2 Terabit pro Sekunde realisieren. Diese Datenrate würde ausreichen, um ganz Westeuropa mit einer schnellen Internetanbindung zu versorgen. Mit der neuen Bodenstation sollen solche Versuche nun auch mit Satelliten durchgeführt werden.

Laserkommunikation mit Satelliten

Foto: Optische Bodenstation auf dem Dach - die neue op­ti­sche Bo­den­sta­ti­on auf dem Dach des DLR-In­sti­tuts für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Na­vi­ga­ti­on in Ober­pfaf­fen­ho­fen. Foto: DLR © (CC BY-NC-ND 3.0)

Quantenschlüssel aus dem All
Eine genaue Entzerrung des Satellitensignals ist zudem eine Grundvoraussetzung, um Quantenschlüssel aus dem All möglichst effizient verteilen zu können. Das DLR-Institut für Kommunikation und Navigation hat dazu erfolgreiche Vorarbeiten geleistet und bereits im Jahr 2013 zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erfolgreiche Übertragungsversuche von einem Flugzeug zum Boden durchgeführt. Quantenschlüssel sollen künftig genutzt werden, um die verschlüsselte terrestrische Übertragung so abzusichern, dass sie Angriffen durch Quantencomputer standhalten. „Eine beweisbar sichere Absicherung der Kommunikation ist insbesondere für Nutzer wie Regierungsstellen, Behörden, Banken, Versicherungs- und Industriegesellschaften von immenser Bedeutung", sagt Dr. Susann Groß, Leiterin der DLR-Programmdirektion für Raumfahrtforschung und -technologie.

Präzisere Navigation mit optischen Satellitenlinks
Satellitennavigationssysteme wie das europäische Galileo und das amerikanische GPS sind bereits heute als unabdingbare Infrastrukturen im alltäglichen Leben und Wirtschaften verankert. Sie senden präzise Zeitsignale aus. Wenn der Empfänger diese Information von mindestens vier Satelliten empfängt, die Uhren korrekt synchronisiert und die Satellitenbahnen genau bekannt sind, kann der Empfänger daraus seine exakte Position ermitteln. Um die Zeitsignale der Satelliten zu synchronisieren und die Satellitenbahnen zu bestimmen, muss heute ein komplexer Prozess auf der Basis von Messungen einer Vielzahl von Sensorstationen am Boden ablaufen. Am DLR wurde mit Kepler ein neuer Ansatz entwickelt, bei dem optische Verbindungen zwischen Navigationssatelliten eingesetzt werden. Diese optischen Verbindungen werden genutzt, um die Satelliten direkt zu synchronisieren und um die Bahnen mit nur zwei Bodenstationen exakt zu bestimmen. Dies führt nicht nur zu einer deutlichen Vereinfachung des Systems, sondern auch zu einer erheblich verbesserten Genauigkeit

„Der Kepler-Ansatz hat das Potenzial diezukünftige Automatisierung im Verkehr durch hochpräzise Ortsdaten deutlich zu erleichtern“, sagt Dr. Pagels-Kerp, DLR-Bereichsvorständin Raumfahrt. Zudem wäre das System kaum mehr anfällig für Störungen, die heute etwa in Kriegs- und Krisengebieten willentlich herbeigeführt werden. In diesem Kontext wird die neue Bodenstation wertvolle Beiträge für die Validierung der DLR-Konzepte liefern.

Technologietransfer
Das DLR-Institut für Kommunikation und Navigation ist eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen für die Entwicklung optischer Freiraumverbindungen. Im Umfeld des Instituts haben sich Firmen wie TESAT Spacecom in Backnang und die Ausgründung Mynaric zu den bedeutendsten Firmen in diesem Sektor entwickelt. Die neue Bodenstation wird dabei helfen, diese starke deutsche Positionierung zu erhalten und weiterzuentwickeln.

(Pressemeldung vom 12.10.2022)
Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) | Foto: DLR
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