Wissenschaft

Julius Kühn-Institut - Dr. Peter Wehling, in den Ruhestand verabschiedet

28.02.2022

Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für KulturpflanzenGroß Lüsewitz | Sanitz: Zum Ende des Monats Februar geht Dr. Peter Wehling in den Ruhestand. Am 24.02.2022 wurde der langjährige Leiter des Fachinstituts für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen unter dem Dach des Julius Kühn-Instituts (JKI) in einer Feierstunde in der so genannten „Kartoffelhalle“ verabschiedet. Aus den Händen von JKI-Präsident Prof. Dr. Frank Ordon erhielt er die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschriebene Dankes-Urkunde.
 
1995 kam Wehling, der sich während seines Studiums und seiner Assistenzzeit an der Universität Hannover auf Züchtungsgenetik bei Roggen spezialisiert hatte, an den Versuchsstandort in Mecklenburg-Vorpommern, um dort das Institut für landwirtschaftliche Kulturen an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) zu leiten. Mit der Umorganisation der Kulturpflanzenforschung des Bundes im Jahr 2008 wurde er Leiter des Instituts für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen am neu gegründeten JKI. In dieser Funktion prägte der Wissenschaftler 27 Jahre den nördlichsten Standort des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen.
 
Zu DDR-Zeiten dominierten hier die Arbeiten zur Züchtung neuer Kartoffelsorten. „Diese wurden auch wegen der Ansiedlung der Kartoffel-Genbank des Leibniz-Instituts an unserem Standort von uns fortgeführt“, berichtet Dr. Wehling. Unter seiner Federführung wurde das Spektrum unter anderem um die ökologisch und ernährungsphysiologisch wertvollen Getreidearten Hafer und Roggen erweitert, und es kamen Leguminosen hinzu. Hier nahmen die züchterisch vernachlässigten Lupinen einen besonderen Stellenwert ein, da sie besonders gut auf die Bodenverhältnisse im Nordosten Deutschlands angepasst sind. „Inzwischen erforschen wir neben Gelber, Weißer und Blauer Lupine auch Ackerbohne, Sojabohne, Luzerne und, als Exoten, die Andenlupine. Damit ist Groß Lüsewitz zu einem Zentrum der Züchtungsforschung an Leguminosen geworden“, resümiert Wehling. Außerdem wird der Russische Löwenzahn bearbeitet, der als alternative Kautschukquelle künftig auf deutschen Feldern Einzug halten könnte.
 
Die Forschenden widmen sich besonders den genetischen Grundlagen. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Genen, die die Kulturpflanzen resistenter gegen Krankheiten machen, etwa gegen  Phytophthora, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln oder gegen die Pilzkrankheit Anthraknose bei Lupinen. Aber auch für die Genetik und Vererbung anderer wertgebender Eigenschaften interessieren sich die Forschenden. So wird etwa an Kurzstroh-Roggen gearbeitet, der Wind und Starkregen trotzt, oder es wird nach ertragreicheren Pflanzen mit höheren Eiweiß- oder Stärkegehalten gesucht. Pre-breeding heißt diese Vorlaufforschung, die der eigentlichen Sortenzüchtung vorgelagert ist.
 
Der schwärzeste Tag in Dr. Wehlings Arbeitsleben war der 7. Juli 2016, als ein Feuer die gerade mal sechs Jahre alte Wirtschaftshalle zerstörte. Die 2010 neu errichtete Arbeitshalle – intern Kartoffelhalle genannt – brannte binnen Stunden ab. Das Kartoffelkühllager, die Sortieranlage sowie sechs Traktoren und etliche Spezialgeräte wurden vernichtet. Der Schaden belief sich auf rund zwei Millionen Euro.
Aber in der Notsituation zeigte sich, dass das JKI am Standort in ein verlässliches Netzwerk eingebunden war und von vielen Seiten unbürokratisch Hilfe geleistet wurde. Auch dies ist Aufgabe der leitenden Wissenschaftler eines Außenstandorts: vor Ort Kooperationen anzustoßen und Partnerschaften zu pflegen, sei es zur Kartoffelgenbank des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben, zu den Kartoffelzüchtern und Landwirten in der Umgebung, zur lokalen Grundschule oder zur Universität Rostock. So beteiligten sich die Forschenden an der langen Nacht der Wissenschaft in Rostock, richteten Feldtage aus, sind Ausbildungsbetrieb und geben Schülerinnen und Schülern Einblicke in die spannende Welt der Kulturpflanzen.
 
Hintergrundinfo: Bereits zu DDR-Zeiten war der Standort an der windigen Ostseeküste prädestiniert für die Züchtung von Kartoffeln. Er gilt bis heute als so genannte Gesundlage, da hier die Blattläuse, die Viruskrankheiten auf die Kartoffeln übertragen, „fortgeweht“ werden und bietet somit ideale Bedingungen für umfassende Feldversuche an der Kulturpflanze.

(Pressemeldung vom 28.02.2022)
Quelle: Julius Kühn-Institut (JKI) | Foto: JKI
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