Wirtschaft

Hohe Korrosionsbelastung im maritimen Bereich

10.02.2012

Hamburg: Die Emissionsvorschrift IMO Tier III tritt 2016 in Kraft - mit weit reichenden Folgen für die Motorentechnik. Sie wird so streng sein, dass die Motorenhersteller und ihre Zulieferer zu völlig neuen technischen Lösungen in der Oberflächentechnik der hoch beanspruchten Schiffsmotorteile greifen müssen. So führt die erforderliche Abgasrückführung ebenso zu einer extremen korrosiven Belastung wie der Einsatz von Dual-Fuel Aggregaten, die unterschiedliche Brennstoffe nutzen können. Insbesondere hier muss der Korrosionsschutz in Zukunft  in der Lage sein, aggressiven Gasen wie etwa Deponiegas, Paroli zu bieten.  Die Lösung für diese Herausforderungen sind unter anderem mehrlagige Chromschichten oder Chemisch Nickel-Anwendungen, erläuterte  Marc-Steffen Hinderer von der STI Hartchrom AG auf der 11. Tagung „Korrosionsschutz in der maritimen Technik“. Rund 200 Teilnehmer aus der maritimen Wirtschaft, der Beschichtungstechnik und der Forschung trafen sich Ende Januar in Hamburg. Im Mittelpunkt der Tagung stand neben neuen, technischen Entwicklungen, der Erfahrungsaustausch.
 
Die Tagungsreihe zum Korrosionsschutz wird von der Schiffbautechnischen Gesellschaft e.V., der Gesellschaft für Korrosionsschutz e.V. und dem Germanischen Lloyd  veranstaltet. Die Tagungen tragen der zunehmenden Bedeutung des Korrosionsschutzes Rechnung, betonte Daniel Engel, Vorsitzender des Kongresskomitees: „Angesichts der enormen Investitionsvolumina, die heute bei größeren Shore-, Nearshore- und Offshore-Bauwerken anzutreffen sind, ist das Wissen über eine sachgerechte Auswahl und Applikation von Korrosionsschichten, über richtige Untergrundvorbereitung  bis hin zur Qualitätssicherung unabdingbar.“
 
Neben dem Vortrag von Hinderer über den Korrosionsschutz für Motorenkomponenten informierten sieben weitere halbstündige Vorträge die Teilnehmer über spezielle Aspekte des Korrosionsschutzes. Cornelia Dreyer vom iLF Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Lacke und Farben mbH setzte sich kritisch mit den bestehenden Regelwerken zum Korrosionsschutz, sowie den üblichen Prüfverfahren und den eingesetzten Prüfmitteln auseinander. Solange auf internationaler Ebene eine sinnvolle Erweiterung und Präzisierung der Normen nicht vorliege, empfehle sie die Entwicklung von Werksnormen zu bestimmten Bauwerken. Stephan Müller, Leiter der Abteilung Korrosionsschutz der RWE Power AG beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Prüfverfahren im Stahlwasserbau. Er unterstrich, dass neben der richtigen Auswahl die optimale Applikation des Beschichtungssystems stehen müsse, um lange Standzeiten des Bauwerkes zu gewährleisten.
 
Gerd Eich vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe in Erding informierte die Tagungsteilnehmer über das Beschichten von nichtrostenden Stählen für Minenleger und U-Boote. Der Korrosionsschutz für diese Stähle erfordere, so Eich, eine sorgfältige Oberflächenvorbereitung, um korrosionsfördernde Fremdstoffe zu entfernen. Matthias Roehl von der Ceram Kote International GmbH schloss den Vormittag ab. Er stellte neue Erkenntnisse über eine Funktionsbeschichtung von Edelstählen vor. Sascha Buchbach vom Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung eröffnete die Nachmittagssession mit Untersuchungen zum Korrosionsverhalten bearbeiteter Kanten in Ballastwassertanks. Seine These, dass der Kantenradius keinen Einfluss auf die Schichtdicken und damit auf die Korrosionsbeständigkeit habe, wurde im Plenum lebhaft diskutiert.
 
Lars-Eric Etzold von der Meyer Werft GmbH stellte anschließend einen Roboter für die Inspektion von Tanks vor. Die Tagung schloss mit einem eindrucksvoll bebilderten Bericht über Ursachen und Sanierung von Beschichtungsschäden an Offshore-Windenergieanlagen. Der vortragende Technikberater Helmut Müller kann hierbei auf 25 Jahre Erfahrung zurückblicken. „Korrosionsschutz in der maritimen Technik ist und bleibt eine erhebliche Herausforderung“, setzte Komiteevorsitzender Daniel Engel ein Signal für die Fortsetzung der Tagungsreihe. (Pressemeldung vom 02.02.2012)
Quelle: Germanischer Lloyd | Foto: GL
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