Wissenschaft

Hamburg: Was ist Freiheit und wodurch ist sie bedroht?

16.11.2022

Senat Hansestadt HamburgHamburg: Pandemie, Krieg in Europa, Klima- und Energiekrise. Die Zeit der sogenannten multiplen Krisen hat die Freiheit als Grundrecht zum wohl häufigsten Debattenargument werden lassen. Die Hamburger Horizonte setzen sich in diesem Jahr mit der „Krise in der Freiheit“ auseinander. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank hat die Konferenz am 15. November im Hamburger Rathaus eröffnet. Seit 2017 bringen die  Hamburger Horizonte hochkarätige Wissenschaftler:innen mit Expert:innen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem Hamburger Publikum zusammen. Im Mittelpunkt der Konferenz steht der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Veranstaltet wird die Reihe von der Körber-Stiftung, der Universität Hamburg (UHH) und dem Hamburg Institute for Advanced Study (HIAS).
 
Katharina Fegebank, Wissenschaftssenatorin: „Die Frage nach der Bedeutung von Freiheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Das verlockt dazu, die Freiheitsfrage als ein Thema anzusehen, zu dem alles gesagt, gedacht und geschrieben wurde. Dem ist Mitnichten so: Die Debatte um die Freiheit ist brandaktuell, das zeigen die vergangenen Pandemiejahren ebenso wie der Ukrainekrieg und die Proteste im Iran. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit und sie hat für Menschen viele verschiedene Bedeutungen. Damit ist die Frage nach der Freiheit ein fantastisches Thema für die Hamburger Horizonte. Denn hier passiert, was Wissenschaft – aber auch unser gesellschaftliches Miteinander – ausmacht: der Austausch miteinander, das Pro und das Contra, die Debatte und der auch mühsame Weg durch die Argumente. Mein herzlicher Dank gilt der Körber-Stiftung, der Universität Hamburg und dem HIAS für die Organisation dieser wichtigen Veranstaltung. Ich freue mich sehr auf die Debatten und bin gespannt auf die klugen Impulse.“
 
Dr. Thomas Paulsen, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung: „Wir haben es aktuell mit großen Herausforderungen und Krisen zu tun – Krieg in Europa, Klimawandel, Energieknappheit und Pandemie. In allen Debatten dazu werden Freiheitsfragen diskutiert und wird zum Teil heftig darüber gestritten, wie stark Freiheiten angesichts von Krisen eingeschränkt werden dürfen. Keine dieser Fragen und Herausforderungen lässt sich ohne wissenschaftliche Expertise und einen breiten gesellschaftlichen Dialog bewältigen. Wir brauchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in diese Debatten einbringen. Wir brauchen aber auch Formate, in denen ein direkter Austausch möglich ist. Die Hamburger Horizonte sind so ein Format. Wir laden dazu ein, sich aktiv mit den Veränderungen auseinanderzusetzen und die Hamburger Horizonte als Forum für den Dialog zu nutzen.“
 
Prof. Dr. Hauke Heekeren, Präsident der Universität Hamburg: „Die Öffnung zur Gesellschaft und Anschlussfähigkeit von Forschung, Lehre und Wissenstransfer zu den großen Herausforderungen unserer Gegenwart gehören zur DNA der Universität Hamburg als Flagship University. Die Hamburger Horizonte ermöglichen genau diesen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sehr gerne unterstützen wir als Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie dieses Forum. Mit dem Thema „Freiheit in der Krise“ beweisen die Horizonte in diesem historischen Jahr 2022 wieder einmal herausragenden Spürsinn für Themen von gesellschaftlicher Relevanz. Viele aktuelle Fragestellungen in Bezug auf Freiheit werden diskutiert: Beispielsweise wie wir die Wissenschaftsfreiheit verantwortlich gestalten und in der internationalen Zusammenarbeit mit Ländern sichern können, die unsere freiheitliche und demokratische Grundordnung nicht teilen.“
 
Prof. Dr. Iris Wenderholm, Sprecherin des HIAS-Präsidiums: „Freiheit schien kaum je so umkämpft und eingeschränkt gewesen zu sein wie heute. Dabei decken sich individuelle Freiheitsansprüche nicht immer mit den kollektiven Vorstellungen von Freiheit, zumal in einer globalen Perspektive. Für mich sind Fragen der Gerechtigkeit und Solidarität aufs engste mit dem Begriff der Freiheit verknüpft. Ich freue mich auf viele Anregungen, die von den Hamburger Horizonten mit ihren prominent besetzten Panels ausgehen werden. Mit Stephen Barber, Christine Hobden, Cat Hope und Jeanette Kohl werden vier unserer diesjährigen Fellows sowie mit Eva Illouz eine künftige Fellow als Diskutant:innen mitwirken, woran sich die wichtige Rolle des HIAS als wissenschaftlicher Impulsgeber zeigt.“
 
Die Hamburger Horizonte finden jährlich unter der Prämisse „Wissenschaft trifft Gesellschaft“ statt. Ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema steht im Mittelpunkt der Konferenz und wird in mehreren Panels, Keynote Lectures und Gesprächen diskutiert. So ging es in der Vergangenheit bereits um „Europäisch sein“, „Grenzenlos Gesund?“ oder aber den „Zerfall von Ordnungen“.
 
In diesem Jahr geht es um nichts weniger als die „Freiheit“: Was heißt Freiheit und um wessen Freiheit geht es? Angesichts von existenziellen Krisen wie Krieg, Klimawandel und Pandemie überzeugt die knappe Definition von Freiheit als Nicht-Einmischung in die Angelegenheiten des Einzelnen nicht mehr ohne weiteres. Stattdessen stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von individueller zu kollektiver und zukünftiger Freiheit: Wo hört meine Freiheit auf, wo kann oder muss sie sogar mit Blick auf übergeordnete Werte eingeschränkt werden? Wie verhält sich individuelle Freiheit zu gesamtgesellschaftlicher Verantwortung? Darf die heute ausgelebte Freiheit des Konsums und des Ressourcenverbrauchs die Freiheit kommender Generationen begrenzen? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft und deren Fähigkeit, Prognosen und Zukunftsszenarien zu liefern, als Basis rationaler Entscheidungen und damit auch als Grenze politischer Freiheit? Das alles und mehr wird bei den diesjährigen Hamburger Horizonten diskutiert.
Nach der heutigen Eröffnung der Konferenz im Hamburger Rathaus, wird sie am 16. November im Körber Forum fortgesetzt.


Senat Hansestadt Hamburg - Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke | Foto: hamburg.de GmbH & Co. KG 

(Pressemeldung vom 15.11.2022)
Quelle: Senat Hansestadt Hamburg - Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke | Foto: hamburg.de GmbH & Co. KG 
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