Wirtschaft

Größte Industriewärmeversorgung Deutschland in Hamburg

14.12.2021

Wärme Hamburg GmbHHamburg: In Hamburg sollen ab der Heizperiode 2024/25 rund 20.000 Haushalte mit CO2-freier Industriewärme aus einem Nebenprozess der Kupferproduktion von Aurubis beliefert werden. Das ist Bestandteil eines Wärmeliefervertrags, den die beiden Unternehmen unterzeichnet haben. Der Einsatz der CO2-freien Industriewärme im Netz der Wärme Hamburg verdrängt Wärme, die heute noch aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. So können ab 2025 jedes Jahr bis zu 100.000 Tonnen CO2-Emissionen in der Hansestadt eingespart werden. Die angestrebte Wärmelieferung stellt die größte Nutzung von industrieller Wärme in Deutschland dar.

Die Wärme entsteht im Aurubis-Werk Hamburg nach dem Umbau im Sommer 2024 in der sogenannten Kontaktanlage, ein Teil der Kupferraffination, in der in mehreren Prozessschritten Schwefelsäure hergestellt wird. Dieser Prozess ist eine exotherme chemische Reaktion, bei der CO2-freie Wärme auf einem Temperaturniveau entsteht, das sich gut für die klimaneutrale Fernwärmeversorgung eignet. Die Technologie wird seit 2018 erfolgreich im Aurubis-Werk für die Wärmelieferung an enercity für die Versorgung der östlichen HafenCity und Rothenburgsort eingesetzt und nun deutlich erweitert. Aurubis bringt diese Lösungen auch in das Forschungsvorhaben Norddeutsches Reallabor ein, um einen Transfer für weitere Projekte dieser Art zu ermöglichen.

Erster Bürgermeister Peter Tschentscher: „Hamburg ist eine Zukunftsregion für den Einsatz innovativer Technologien und für die Energiewende in Deutschland. Die Zusammenarbeit von Aurubis und Wärme Hamburg ist wegweisend für die Industrie der Zukunft. Durch die Nutzung von Energie aus der Kupferproduktion für die Fernwärmeversorgung können jährlich bis zu 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Das Projekt zeigt: Die Wirtschaft ist ein wichtiger Partner des Senats bei der Umsetzung des Hamburger Klimaplans, mit dem wir die CO2-Emissionen von Jahr zu Jahr senken.“

Jens Kerstan, Senator in der Behörde für Umwelt und Energie in Hamburg: „Die Nutzung industrieller Abwärme nimmt eine Schlüsselfunktion bei der CO2-Reduzierung der Wärmeversorgung ein. Nachdem bereits die östliche HafenCity mit CO2-freier Fernwärme versorgt wird, kommt mit diesem Vertrag zwischen Aurubis und Wärme Hamburg die Energiewende, die in unserer Stadt bereits an vielen Stellen konkrete Formen annimmt, erneut einen großen Schritt voran. Das Zusammenspiel zwischen Industrie und öffentlichen Versorgungsunternehmen in Form von konstruktiven und kooperativen Lösungen ist ein Musterbeispiel für unseren Weg in eine klimaneutrale Zukunft.“

Michael Beckereit, Geschäftsführer der Wärme Hamburg: „Die erzielte Einigung ist ein Meilenstein zur Erreichung der Hamburger Klimaziele. Sie ist aber auch ein Musterbeispiel dafür, wie Kooperation zwischen Industrie und Energieversorgern aussehen und wie Sektorenkopplung von Industrie- und Wärmesektor gelingen kann. Wir bauen damit auf der Stärke Hamburgs als Industriestandort auf. Jede Metropole muss für die Dekarbonisierung ihrer Wärmeversorgung einen Weg finden. In Hamburg ist das ganz klar das Abwärmepotential der Grundstoffindustrie.“

Roland Harings, Vorstandsvorsitzender der Aurubis AG: „Aurubis strebt an, deutlich vor 2050 klimaneutral Metalle zu produzieren. Als nachhaltigstes Hüttennetzwerk der Welt verstehen wir uns als Vorreiter bei Lösungen für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften, um die Dekarbonisierung sektorübergreifend zu beschleunigen. Mit der Unterzeichnung des Wärmelieferungsvertrages und der damit verbundenen Investition unterstreichen wir unsere ambitionierten Dekarbonisierungsziele.“

Ulf Gehrckens, Executive Vice President Energy & Climate Affairs der Aurubis AG: „Das zukunftsweisende Industriewärme-Projekt ist in seiner Größe und Komplexität einzigartig in Deutschland. Die gute Zusammenarbeit der Partner, Behörden und Ministerien ermöglicht, dass wir mit innovativen und maßgeschneiderten Lösungen wie dieser als Industrie in der Stadt einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten können.“

Um den Ausbau der CO2-freien Industriewärmeversorgung in der Hansestadt möglich zu machen und damit den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren, haben Aurubis und Wärme Hamburg gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) die Kräfte gebündelt und ein optimales Modell für die Umsetzung gefunden. Dazu gehören auch Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für beide Partner. Die Umbaumaßnahmen im Aurubis-Werk Hamburg werden über das Programm „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ gefördert. Für Wärme Hamburg stehen Zuschüsse für die Errichtung eines Wärmespeichers und die Leitungsanbindung des Industriestandorts auf der Peute über das Programm „Wärmenetze 4.0“ in Aussicht. Wärme Hamburg wird zusätzlich über die städtische IFB gefördert. Um die Industriewärme bis in die Hamburger Haushalte zu bringen, nutzt die Wärme Hamburg im ersten Teilstück zur Elbquerung eine bestehende Leitung der enercity Contracting Nord GmbH und baut dann eine eigene Fernwärmeleitung bis zum Einspeisepunkt.

Im Oktober 2018 startete der erste Teil des Projektes: Durch eine mehr als 3,7 km lange, neu gebaute Leitung liefert Aurubis von seinem Werk auf der Peute aus seitdem CO2-freie Wärme an das Energiedienstleistungsunternehmen enercity Contracting Nord GmbH, das damit die östliche HafenCity versorgt. Dieser erste Strang der Aurubis-Industriewärmeversorgung spart jährlich etwa 20.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß ein.

Größte Industriewärmeversorgung Deutschland in Hamburg

Infografik: Wärme Hamburg GmbH, Aurubis AG

Die Aurubis AG ist ein weltweit führender Anbieter von Nichteisenmetallen und einer der größten Kupferrecycler der Welt. Das Unternehmen verarbeitet komplexe Metallkonzentrate, Altmetalle, organische und anorganische metallhaltige Recyclingstoffe und industrielle Rückstände zu Metallen mit höchster Qualität. Aurubis produziert jährlich mehr als 1 Mio. Tonnen Kupferkathoden und daraus diverse Produkte aus Kupfer oder Kupferlegierungen wie Gießwalzdraht, Stranggussformate, Profile oder Flachwalzprodukte. Darüber hinaus erzeugt Aurubis viele andere Metalle wie Edelmetalle, Selen, Blei, Nickel, Zinn oder Zink. Zum Portfolio gehören auch weitere Produkte wie Schwefelsäure oder Eisensilikat.

Nachhaltigkeit ist elementarer Bestandteil der Aurubis-Strategie. „Aurubis schafft aus Rohstoffen verantwortungsvoll Werte“ – dieser Maxime folgend integriert das Unternehmen nachhaltiges Handeln und Wirtschaften in die Unternehmenskultur. Dies beinhaltet den sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen, ein verantwortungsvolles soziales und ökologisches Handeln im operativen Geschäft und ein Wachstum in sinnvollem und gesundem Maß.

Aurubis beschäftigt rund 7.200 Mitarbeiter, verfügt über Produktionsstandorte in Europa und den USA sowie über ein ausgedehntes Service- und Vertriebssystem in Europa, Asien und Nordamerika.

Die Aurubis-Aktie gehört dem Prime Standard-Segment der Deutschen Börse an und ist im MDAX sowie dem Global Challenges Index (GCX) gelistet.

Wärme Hamburg – Für die Menschen, für die Stadt.
Die Wärme Hamburg GmbH ist ein städtisches Unternehmen, das in Hamburg umgerechnet 500.000 Wohneinheiten mit lokaler Fernwärme zum Heizen und zur Warmwasserbereitung versorgt. Die Wärme Hamburg wird bis 2030 vollständig auf Wärme aus Kohleverbrennung verzichten und setzt vor allem auf die konsequente Nutzung vorhandener Abwärme aus Industrie, Abwasser und Müllverwertung. Das Unternehmen verfügt über ein 845 Kilometer langes Rohrleitungssystem und kann eine Wärmeleistung von rund 1.800 Megawatt erzeugen. Der Wärmeabsatz beträgt 4.000 Gigawattstunden. Der Anteil am Hamburger Wärmemarkt umfasst ca. 22 Prozent.

(Pressemeldung vom 14.12.2021)
Quelle: Wärme Hamburg GmbH | Foto: Wärme Hamburg GmbH
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