Wirtschaft

Erste Power-to-Heat-Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg gehen in Betrieb

06.12.2021

50Hertz Transmission GmbHBayreuth | Parchim | Hamburg: In Kooperation mit 50Hertz als Übertragungsnetzbetreiber gehen in Mecklenburg-Vorpommern und in Hamburg die ersten Power-to-Heat-Anlagen in Betrieb. Nach dem Prinzip "Nutzen statt Abregeln" wandeln sie Windstrom, der aufgrund von Netzengpässen nicht vollständig Richtung Süden abtransportiert werden kann, in "grüne" Fernwärme um. Vor Winterbeginn und damit vor der kalten und stürmischen Jahreszeit können die Stadtwerke Parchim und der Energiedienstleister GETEC in der Hamburger Großsiedlung Mümmelmannsberg damit ihre auf Erdgas basierende Wärmeversorgung klimafreundlicher gestalten. Gleichzeitig hat 50Hertz vollen Zugriff auf die Anlagen und kann sie bei einem sehr hohen Stromaufkommen aus Windkraftanlagen systemdienlich zur Entspannung der Netzsituation einsetzen. Eine dritte Anlage soll noch in diesem Jahr in Stralsund in Betrieb gehen, drei weitere in Neubrandenburg, Rostock und Wedel bei Hamburg befinden sich in der Planungs- bzw. Bauphase.

Bei den beiden jetzt gestarteten Power-to-Heat-Anlagen (PtH) handelt es sich um Elektrodenkessel, die mit den bestehenden Blockheizkraftwerken (BHKW) der Stadtwerke und der GETEC gekoppelt sind. Im Falle eines Überangebotes von Strom aus Windparks an Land und auf dem Meer springen diese Elektroheizungen im XXL-Format an, während gleichzeitig die erdgasbasierten konventionellen Anlagen heruntergefahren werden. Die Investitionskosten für die Errichtung der PtH-Anlagen übernimmt laut Gesetz vollständig 50Hertz. Sie betragen für die beiden Projekte zusammen bis zu 2,3 Millionen Euro.

"Rund 30 Prozent der Kohlendioxidemissionen in Deutschland entfallen derzeit auf die Wärmeversorgung von Gebäuden. Daher wird zukünftig das intelligente Zusammenspiel zwischen Stromerzeugung basierend auf Erneuerbaren Energien einerseits und der Wärmebereitstellung andererseits eine Schlüsselfrage auf dem Weg zur Klimaneutralität sein", erklärte Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb von 50Hertz. Und weiter: "Die Umwandlung von Strom in Wärme ist bei einem Überangebot von Strom aus Erneuerbaren Energien eine volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Technologie der Sektorkopplung." Die Projekte stehen auch im Einklang mit den Klimaschutzzielen der zukünftigen Bundesregierung. SPD, Bündnis 90/Grüne und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag den Ausbau von kommunalen Wärmenetzen angekündigt. Bis 2030 soll 50 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugt werden.

In Parchim wird die PtH-Anlage mit einer Wärmeleistung von zwei MW zur Substitution von zwei Erdgas-BHKW eingesetzt. Dirk Kempke, Geschäftsführer der Stadtwerke Parchim: "In Parchim sind wir bereits heute gut aufgestellt beim Klimaschutz. Unsere Fernwärme ist schon jetzt mit Primärenergiefaktor 0 zertifiziert. Über 30 Prozent des Stroms erzeugen wir lokal ohne fossile Brennstoffe in unseren Biogas- und Biomasse-Heizkraftwerken sowie über eine Photovoltaikanlage. Durch die Kooperation mit 50Hertz sind wir jetzt in der Lage, auch im Bereich der erdgasbasierten Wärmeversorgung die CO2-Emissionen noch weiter zu senken."

Die Stadtwerke Parchim versorgen von ihrer Heizzentrale in der Weststadt aus rund 3.000 Haushalte mit Strom und Wärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dazu stehen drei Biogas BHKW mit je ein MW elektrischer Leistung, zwei Erdgas BHKW mit jeweils ein MWel sowie eine sogenannte ORC-Anlage mit 2,5 MWth zur Verfügung, in der Restholz und Holzhackschnitzel verwertet werden.

Auch die Kooperation zwischen 50Hertz und dem Energiedienstleister GETEC im Hamburger Stadtteil Bill-stedt dient dazu, den Einsatz fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Die Großsiedlung Mümmelmannsberg umfasst etwa 7.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Zwei BHKW der GETEC sorgen für die Strom- und Wärmeversorgung. Michael Lowak, Segment CEO Immobilienwirtschaft der GETEC Group: "Die Energiewende im Gebäudebereich gelingt nur, wenn Ressourcen optimiert und effizient eingesetzt werden - und zwar dort, wo sie benötigt werden. Mit einem der ersten PtH-Projekte für eine Wohnsiedlung in einem Ballungsraum erfüllen GETEC und 50Hertz genau die Kriterien, welche zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende nötig sind. BHKW und PtH-Anlage arbeiten netzdienlich und entlasten das Stromnetz, es entstehen keine unnötigen Kosten für das Abregeln und Vergüten von EEG-Anlagen und gleichzeitig werden die Menschen im Mümmelmannsberg mit klimafreundlicher Wärme versorgt."

Die Kooperationsverträge zwischen 50Hertz, den Stadtwerken Parchim und der GETEC Group beruhen auf 2017 vorgenommenen Änderungen des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Damals hat der Gesetzgeber Übertragungsnetzbetreibern die Möglichkeit eingeräumt, mit einem Betreiber einer KWK-Anlage Redispatch-Verträge über die Errichtung sowie den Betrieb einer PtH-Anlage abzuschließen. Gemäß §13 Abs. 6a EnWG sollte überschüssiger Strom im damals definierten sogenannten Netzausbaugebiet nicht abgeregelt, sondern mithilfe von PtH in Wärme transformiert und so genutzt werden. Zum Netzausbaugebiet zählen der nördliche Teil Niedersachsens sowie die Bundesländer Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen wurde im EnWG der Begriff des Netzausbaugebietes abgeschafft und es können nach dem Prinzip "Nutzen statt Abregeln" auch in südlicheren Regionen Deutschlands, in denen Netzengpässe vorliegen, entsprechende Redispatchverträge mit Betreibern von Betreibern von Fernwärmenetzen auf KWK-Basis abgeschlossen werden. Die entstehenden Kosten für dieses Modell werden über die Netzentgelte abgerechnet.

(Pressemeldung vom 29.11.2021)
Quelle: 50Hertz Transmission GmbH | Foto: 50Hertz Transmission GmbH
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