Wirtschaft

Deutschland - Strikte Covid-19-Massnahmen machen Maschinenbauern in China erheblich zu schaffen

09.11.2022

VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.Frankfurt am Main: Die Zero-Covid Politik in China behindert die Geschäfte der Maschinen- und Anlagenbauer vor Ort weiterhin erheblich. Dies zeigen die Ergebnisse der Herbstumfrage des VDMA unter den in China ansässigen 850 Mitgliedsunternehmen. Demzufolge bewerten 23 Prozent der befragten Firmen die aktuelle Geschäftslage als gut, 54 Prozent als zufriedenstellend und 23 Prozent stufen diese als schlecht ein. Die Bilanz von positiven zu negativen Einschätzungen liegt bei Null und damit nur einen Prozentpunkt höher als im Frühjahr. „Die Geschäftsdynamik hat sich seit dem Frühjahr, das vor allem geprägt war vom langen Lockdown in Shanghai und kräftigen Einschränkungen in anderen Regionen des Landes, nicht verbessert. Reisen ist nach wie vor schwierig bis unmöglich, zahlreiche Messen wurden im zweiten Halbjahr abgesagt oder verschoben, es gibt immer wieder Ausgangssperren. Der Frust ist gross“, erläutert Claudia Barkowsky, Geschäftsführerin des VDMA in China.

  • Auftragseingang bleibt schwach
  • Keine Besserung in den nächsten sechs Monaten in Sicht
  • 2022: Umsatzwachstum von 5 Prozent erwartet

Weiterhin keine Aussicht auf Besserung in den nächsten sechs Monaten
Nur jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) geht von einer Besserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten aus. 25 Prozent gaben an, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird. „Mit einer baldigen Lockerung der Covid-19-Massnahmen rechnet niemand hier, die Infektionszahlen gehen hoch, der Winter steht bevor und bei den Impfungen hat sich nicht viel getan. Die Hoffnungen lagen auf dem 20. Parteitag, dieser ist vorbei und es gibt keine Signale für eine Entspannung der Lage. Der Flaschenhals bleibt Covid-19, strikte Massnahmen mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft versus Öffnung mit dem Risiko eines unkontrollierten Infektionsgeschehens. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera“, erklärt Barkowsky.

Kapazitätsauslastung weiterhin auf niedrigem Niveau
Ein ähnliches Bild wie bei der allgemeinen Geschäftslage zeigt sich in der Kapazitätsauslastung: Sie ist nur geringfügig im Vergleich zur vorherigen Umfrage gestiegen und bleibt deutlich unter früheren Werten. Aktuell verzeichnen 29 Prozent der Unternehmen eine unter dem langjährigen Durchschnitt liegende Auslastung. Im Frühjahr 2022 waren es noch 37 Prozent gewesen. 22 Prozent der Unternehmen gaben eine über normal liegende Auslastung an. Die Bilanz von positiven zu negativen Bewertungen liegt damit bei minus 7.

Bremsfaktoren angeführt von Covid-19 Restriktionen
Zwei Drittel der Unternehmen (70 Prozent) sehen sich mit Bremsfaktoren konfrontiert, die ihren Geschäftsbetrieb in China behindern. Die Zahl der betroffenen Unternehmen ging damit zwar um 17 Prozentpunkte zurück, ist aber nach wie vor hoch. Im Frühjahr, in Zeiten des Lockdowns, lag der Wert noch bei 87 Prozent. Hauptproblem sind die anhaltenden Covid-19-Restriktionen, die sowohl internationale Reisen als auch die inländische Mobilität extrem einschränken. Sie sind eine Herausforderung für jedes zweite Unternehmen (54 Prozent). Darüber hinaus sind vor allem die Engpässe bei Material und Rohstoffen ein Problem, 29 Prozent der Befragten gaben hier Schwierigkeiten an. Beschränkungen aufgrund von Local-Content-Anforderungen werden hingegen als deutlich weniger einschränkend empfunden als noch vor sechs Monaten (von 11 Prozent auf 4 Prozent).

Auftragseingänge aus dem In- und Ausland bleiben schwach
Auftragsmangel ist einer der wenigen Faktoren, bei denen sich die Situation seit Frühjahr 2022 sogar verschlechtert hat (als Bremsfaktor von 17 Prozent im Frühjahr auf 27 Prozent im Herbst). Der Auftragseingang in China ist weiter rückläufig. 36 Prozent der befragten Unternehmen berichten, dass sich der aktuelle Auftragseingang unter dem normalen Bereich befindet, im Frühjahr waren es 32 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland sind gleichermaßen davon betroffen, 34 Prozent der Befragten gaben an, dass die Bestellungen unter den Erwartungen liegen, im Frühjahr lag dieser Wert lediglich bei 27 Prozent.

Für 2022 Umsatzwachstum von 5 Prozent erwartet
Lag das Wachstum der Maschinen- und Anlagenbauer in China 2021 durchschnittlich noch bei 22 Prozent, gehen die Unternehmen in diesem Jahr nur noch von 5 Prozent aus – immerhin etwas optimistischer als noch im Frühjahr, als man im Durchschnitt mit 3 Prozent gerechnet hatte. Die Erwartungen für 2023 liegen mit einem Zuwachs von 6 Prozent nur leicht über den Erwartungen für dieses Jahr. „2022 stellt für viele Unternehmen in China eine beondere Herausforderung dar. Im dritten Corona-Jahr scheinen die Auswirkungen auf das Geschäft gravierender zu sein als in den vergangenen beiden Jahren. Vertrauen muss wieder aufgebaut werden“, resümiert die VDMA-China-Geschäftsführerin.

Der VDMA vertritt rund 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen rund vier Millionen Menschen in Europa, davon mehr als eine Million allein in Deutschland. Der Maschinen- und Anlagenbau steht für ein europäisches Umsatzvolumen von rund 800 Milliarden Euro. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe trägt er mit einer Wertschöpfung von rund 270 Milliarden Euro den höchsten Anteil zum europäischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Lobbyregisternummer R000802 

(Pressemeldung vom 08.11.2022)
Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. | Foto: VDMA e.V.
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