Wirtschaft

BSH stellt Ergebnisse aus der ökologischen Begleitforschung im Windpark alpha ventus vor

31.10.2013

BSH Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Hamburg | Berlin: Eine verbindliche Richtlinie für Methoden zu Unterwasserschallmessungen ist ein wesentliches Ergebnis aus dem Forschungsprojekt „Ökologische Begleitforschung am Offshore-Testfeld alpha ventus zur Evaluation des Standarduntersuchungskonzeptes des BSH“. Sie ist die Basis für DIN- und ISO-Richtwerte, die als Vorlage für europäische Länder dienen. Im Rahmen des Projektes entstanden auch neue Erfassungs- und Bewertungsmethoden für das Vorkommen von Vögeln, Meeressäugern, Fischen und Bodenlebewesen in den Offshore-Windparks.

„Wir freuen uns, dass es hier keine negativen Auswirkungen auf die Meeresumwelt gegeben hat. Das ist eine gute Nachricht für die weitere Entwicklung,“ betonte Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, das die ökologische Begleitforschung geleitet und koordiniert hat.

Das Forschungsprojekt zeigt, dass befürchtete Entwicklungen zu den Auswirkungen wie Verödung der Fauna oder Massenschlag bei Vögeln nicht eingetreten sind. Die Fundamente der Offshore-Windenergieanlagen bilden künstliche Riffs, an denen sich Muscheln, Seeanemonen und Seelilien sowie Seesterne ansiedeln. Forscherinnen und Forscher haben eine höhere Artenvielfalt festgestellt.
Auch bei den Fischen zeigt sich im Windpark alpha ventus eine größere Artenvielfalt. Als neue Ansiedelungen traten Seebull, Makrele und Leierfisch auf. Zur Erfassung von Zahl und Artenvielfalt von Fischen setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals besondere Fischecholote ein, die sie neben den Windenergieanlagen am Meeresboden aufstellten.

Die Bewegungen und Beleuchtungen der Windenergieanlagen in den Offshore-Windparks scheinen die Vögel zu verscheuchen. Das senkt das Kollisionsrisiko erheblich. Hinzu kommt, dass die Zugvögel breitflächig ohne besondere Zugstrassen über die Nordsee fliegen, da sie nicht an Rastplätze oder thermische Gegebenheiten gebunden sind. Für die Erfassung der Vogelbewegungen setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals neue Technologien der digitalen Bildererfassung ein. Die Auswertung erfolgt mit Hilfe besonderer Software. Bei normalen Wetterlagen zeichneten die Geräte keine Kollisionen auf. Ungeklärt ist noch die Kollisionsgefahr bei schweren Wetterlagen, die für die Vögel unerwartet auftreten.

Während des Betriebs zeigt der Windpark alpha ventus keinen Effekt auf Meeressäuger. Wenn kein Schallschutz durchgeführt wird, meiden Schweinswale während der schallintensiven Rammungen in der Bauphase den Baustellenbereich in einer Entfernung von bis zu 15-20 km. Deswegen hat das BSH als Voraussetzung für das Vergrämen und den Schallschutz definiert, dass der Rammschall 160 Dezibel in 750 Meter Entfernung nicht überschreiten darf. Das ist der verbindliche Grenzwert. Rechtzeitig vor Baubeginn muss ein Windparkbetreiber ein entsprechendes Schallschutzkonzept einreichen. Wie schnell die Tiere in das Gebiet zurückkehren, hängt von der Dauer der Rammung ab.

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse legt das BSH den „Standard Untersuchung der Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf die Meeresumwelt (StUK4)“ fest, der für die Erbauer von Offshore-Windenergieanlagen verbindlich ist. Die Forschungsergebnisse sind in einer Datenbank hinterlegt, die als Basis für langfristige Untersuchungen und Analysen von marinen Lebensräumen dient.

Rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutierten die Ergebnisse im Rahmen der internationalen Konferenz „5 Jahre Ökologische Begleitforschung in alpha ventus – Herausforderungen, Ergebnisse und Perspektiven“ in Berlin. Alpha ventus – ursprünglich Offshore-Windpark Borkum West – ist der erste Offshore-Windpark in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Bundesrepublik Deutschland. Er liegt ca. 45 km nordwestlich von Borkum. Die 12 Windenergieanlagen sind in rund 30 m Wassertiefe befestigt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Deutschland finanzierte das Forschungsprojekt „StUKplus“ mit einem Fördervolumen von 7,8 Mio. Euro. (Pressemeldung vom 30.10.2013)

Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH | Foto: BSH
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