Wissenschaft

BSH legt Ergebnisse 2021 vor

20.01.2022

BSH Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieHamburg, 20. Januar 2022  Das erste Einsatzjahr des Vermessungs-, Wracksuch-und Forschungsschiffes (VWFS) ATAIR, die Große Sommeraufnahme, Weiterentwicklungen im Bereich der automatisierten Navigation und Schiffssteuerung, Kooperation zur Abwehr von Cyberangriffen und anderen äußeren Gefahren im maritimen Bereich, Entwicklungen in der Offshore-Windenergie und der maritimen Raumordnung sowie das neue Seekartennull sind einige Themen, die das BSH 2021 beschäftigten.

„Auch im zweiten Corona-Jahr in Folge hat das BSH seine gesetzlichen Aufgaben uneingeschränkt wahrgenommen“, betonte die Präsidentin, des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Dr. Karin Kammann-Klippstein, anlässlich der Vorstellung wesentlicher Ergebnisse aus der Arbeit der zentralen maritimen Behörde im vergangenen Jahr. Dies belegen unter anderem die Ausstellung von gut 10.000 Bescheinigungen für Seeleute, die Durchführung von 22 Forschungsfahrten, rund 260 untersuchte Wrackpositionen, zahlreiche korrekte Vorhersagen von Sturmfluten, Driften und Eismeldungen sowie die Untersuchung von 3.000 Wasser- und Sedimentproben und rund 9.300 Abgasfahnen.

Blick auf das Arbeitsdeck des VWFS ATAIR (BSH). © BSH
Blick auf das Arbeitsdeck des VWFS ATAIR (BSH). © BSH

2021 offiziell in Dienst gestellt, übernahm das neue Flaggschiff des BSH, das VWFS ATAIR, unter anderem die Große Sommeraufnahme von Nordsee und Ostsee. Damit konnte diese zum ersten Mal seit über 15 Jahren wieder mit einem eigenen Schiff durchgeführt werden. Um den Zustand in der Wassersäule und im Sediment zu analysieren und zu bewerten sowie langfristige Veränderungen zu dokumentieren, erhebt das BSH seit rund 25 Jahren jährlich an immer denselben Stationen die gleichen ozeanographischen und chemischen Daten. 2021 fuhr die ATAIR rund 50 Stationen von den Färöern über den Entenschnabel, durch den Nordostseekanal über Schleimünde bis nach Rostock an. Neben den Standardwerten wie Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt sowie Trübung des Wassers wurden neu aufgetretene organische Schadstoffe und sichtbare Verschmutzungen wie Paraffin untersucht. „Die umfangreichen unbearbeiteten Daten stellen wir vom Schiff aus bereits in Naheechtzeit der Wissenschaftsgemeinde zur Verfügung“, berichtete Dr. Kammann-Klippstein. „Für die Auswertung und Analyse im BSH-Labor in Sülldorf benötigen wir rund sechs Monate.“

Die Meeresstrategierahmenrichtlinie der EU fordert die Entwicklung eines neuen biologischen Monitorings. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen die Sommeraufnahme auch, um Proben von Mikroalgen und Plankton, die wichtige Komponenten in der marinen Nahrungskette sind, zu entnehmen. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung eines neuen Monitoringkonzeptes.

In die Bewertung des Zustands der Meere fließen auch automatisiert erhobene Daten mit ein. Dazu gehört unter anderem das ARGO-Programm. Rund 4.000 automatisierte Treibbojen, sogenannte Argofloats, treiben durch die Weltmeere. Sie führen automatisch Tauchgänge durch, erheben dabei zwischen der Wasseroberfläche und zum Teil bis zu 6.000 Meter Tiefe Daten und senden sie nach Wiederauftauchen über Satellit an Datenzentren. Rund 350 Floats betreibt das BSH. „2021 gelang es erstmals, mit Hilfe eines Floats unter der geschlossenen Eisdecke im Arktischen Ozean zwischen Spitzbergen und der Kara See Meeresdaten zu erheben. Dafür haben BSH-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler einen Algorithmus entwickelt, mit dem das Argofloat die geschlossene Eisdecke erkennt und unbeschädigt wieder in die Tiefe taucht“, berichtete Dr. Kammann-Klippstein. Auch die Daten dieses Floats würden zurzeit ausgewertet.

Invasive Arten stellen erhebliche Belastungen für die marinen Systeme dar. Der Bewuchs von Unterwasserschiffen ist ein Eintragspfad für gebietsfremde Arten und erhöht zudem den Treibstoffverbrauch und damit die Schiffsemissionen. Darüber hinaus kann er zu einer Gefährdung des Schiffs durch mangelnde Manövrierfähigkeit führen und damit auch eine Gefahrenquelle für die gesamte Meeresumwelt darstellen. Das BSH befasst sich intensiv mit den Auswirkungen des Bewuchses sowohl von Schiffen als auch von Sportbooten sowie mit dessen Vermeidung und Beseitigung. Ergebnisse aus den laufenden Untersuchungen stellt das BSH über seine 2021 eingerichtete „Biofouling Management Database“ zur Verfügung. Interessierte aus der Berufs- und Sportschifffahrt finden dort auch Informationen zu Unterwasseranstrichen und Reinigungstechniken. Auch der „Runde Tisch Biofouling“, der 2021 zum dritten Mal stattfand, ermöglicht unter anderem durch intensiven branchenübergreifenden Wissens- und Erfahrungsaustausch eine kontinuierliche Verbesserung des Umgangs mit Bewuchs von Unterwasserschiffen. Den „Runden Tisch Biofouling“ hat das BSH in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Reeder (VDR) initiiert.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie wird aufgrund der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag in der neuen Legislaturperiode eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher. Basis für einen geordneten und effizienten Ausbau unter Berücksichtigung aller Nutzerinteressen in Nord- und Ostsee sind der im September 2021 in Kraft getretene fortgeschriebene maritime Raumordnungsplan sowie der Flächenentwicklungsplan für Nordsee und Ostsee, für dessen Fortschreibung seit Dezember 2021 ein Vorentwurf vorliegt.

Der Raumordnungsplan für Nordsee und Ostsee definiert Vorranggebiete und Vorbehaltsgebiete zur Sicherung der Ausbauziele für Offshore-Windenergie. Erstmals hat das BSH in dem Raumordnungsplan die Naturschutzgebiete in Nordsee und Ostsee als Vorranggebiete für Naturschutz aufgenommen. Für Seetaucher, Schweinswale und Vogelzug hat es zusätzliche Schutzgebiete festgelegt und damit den Schutz der Belange der Meeresnatur erheblich gestärkt.  „Die erstmalige Ausweisung von Mehrfachnutzungen, aber auch die strenge räumliche Trennung nicht vereinbarer Nutzungen, ermöglicht diese effiziente nachhaltige Nutzung von Flächen“ so Dr. Kammann-Klippstein.

Für die Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans liegt seit Dezember 2021 ein Vorentwurf vor. Er schlägt insgesamt Flächen für ein deutlich größeres Gesamtpotential vor. Um die sehr ambitionierten politischen Ziele erreichen zu können, müssen darüber hinaus in erheblichem Umfang weitere Gebiete für den Ausbau der Windenergie auf See erschlossen werden. Die im Raumordnungsplan identifizierten Flächenpotenziale für Offshore-Windenergie werden zurzeit begutachtet.

Sicherheit in der Seeschifffahrt ist für das BSH ein wesentliches Thema. Es beinhaltet unter anderem auch die Abwehr äußerer Gefahren von der Schifffahrt. Um diesen Bereich zu stärken, hat das BSH 2021 gemeinsam mit der Bundespolizei eine europaweite Gefahrenabwehrübung durchgeführt. Der operative Übungsteil wurde von der Bundespolizei zusammen mit dem Verbund der europäischen Spezialeinheiten ATLAS mit Spezialkräften aus Dänemark, Niederlande, Finnland und Schweden als Übung ATLAS SEAL auf einer Ro-Ro-Fähre in der Ostsee durchgeführt. Er war auch ein Praxistest interner Sicherheitssysteme der Reederei. Im Rahmen des parallel stattfinden BSH-Workshops an Bord der Fähre verglichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nationale Taktiken und Vorgehensweisen im Rahmen derartiger Gefahrenlagen sowie deren Weiterentwicklung. Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation mit Nachbarstaaten und von Meldeketten standen auf der Tagesordnung.

Die hochqualifizierte Arbeit des BSH im Bereich der Abwehr äußerer Gefahren wurde durch die EU Kommission im Rahmen einer Inspektion bestätigt. Eine Überprüfung der Ausbildung für nautisches Personal in Deutschland durch die Europäische Agentur für maritime Sicherheit, EMSA, ergab zudem, dass die Ausbildung ebenso wie die Erstellung der entsprechenden Zertifikate für Seeleute durch das BSH vollständig europäischen und internationalen Standards entspricht.

Einen Beitrag zur Abwehr von Gefahren durch Schiffe kann die Automatisierung von Schiffen leisten. Sie kann menschliches Fehlverhalten reduzieren und damit das Unfallrisiko in der Seeschifffahrt senken. Um die Entwicklung der Automatisierung voranzutreiben, hat das BSH im Rahmen eines Forschungsprojektes, in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, das Antriebssystem des VWFS DENEB umgebaut und digitalisiert sowie das Schiff voll umfänglich mit Technologien und Sensoren ausgerüstet. Die automatisierten Funktionalitäten wurden zunächst auf der offenen Ostsee getestet. Im September legte die DENEB dann vollautomatisiert im Hafen von Rostock an. „Die DENEB wird weiterhin für Forschung und Entwicklung im Bereich der autonomen Schifffahrt im Einsatz sein und ergänzt die Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten des BSH“, bekräftigte die Präsidentin das Engagement der zentralen maritimen Behörde im Bereich der automatisierten Schifffahrt.

Zu den Aktivitäten gehört auch die Arbeit des BSH mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung auf der Technologie-Entwicklungsplattform im BSH-Systemlabor an Lösungen, mit denen unbefugtes digitales Eindringen in die Schiffssysteme unterbunden werden kann. Um den Reedereien Handlungshilfen zur Cybersicherheit anzubieten, haben 2021 das BSH, die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft, Post-Logistik und Telekommunikation (BG Verkehr) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Verwaltungsvereinbarung zur Erhöhung der Informationssicherheit in der Seeschifffahrt unterzeichnet. Ein besseres Management der zunehmenden Cyberrisiken und die Entwicklung von ganzheitlichen Lösungen zur Reduktion der Cyberrisiken für die Seeschifffahrt sind zwei wichtige Ziele der Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene.

Unter anderem für die satellitengestützte – auch automatisierte – Schiffsnavigation sind genaue und einheitliche Informationen über die Wassertiefen unverzichtbar. Sie können Grundberührungen bis hin zu einem Leck verhindern und damit Menschen und Umwelt schützen. Auch um in der gesamten Ostsee eine sicherere, effizientere und emissionsärmere Schifffahrt zu ermöglichen, wurden unter aktiver Beteiligung des BSH die ungenaueren und regionalen Definitionen für die Tiefenangaben durch ein Ostsee-übergreifendes Seekartennull ersetzt. Nahezu alle Ostseeanrainerstaaten haben dieses eingeführt.

Und noch eine positive Nachricht: Für Seeschiffe mit einer Rumpflänge bis 15 Meter kann nunmehr online ein digitales Flaggenzertifikat beantragt, verlängert und geändert werden. Das BSH ist damit gemeinsam mit dem Umweltbundesamt einer von zwei Vorreitern bei der Umsetzung des Online Zugangsgesetzes.

Das BSH ist die zentrale maritime Behörde Deutschlands. An den beiden Dienstsitzen in Hamburg und Rostock sowie auf 5 Schiffen arbeiten rund 1.000 Beschäftigte aus über 100 Berufen. Im Mittelpunkt der Aufgaben stehen u.a. die Förderung, Sicherheit und Überwachung der Seeschifffahrt, Forschung und Erhebung langer Datenreihen im Bereich der Ozeanographie und Meereschemie, der Wasserstandsvorhersagedienst sowie die nautische Hydrographie, im Rahmen derer amtliche Seekarten erstellt werden. Ein in letzter Zeit stetig anwachsender Bereich ist die Zuständigkeit als Genehmigungs- und Überwachungsbehörde für Offshore-Windenergieanlagen. Als deutsche Flaggenstaatsverwaltung und Dienstleister für die maritime Wirtschaft unterstützt das BSH diese mit Genehmigungen, Haftungsbescheinigungen, Produktprüfungen, Zulassungen und Bereitstellung von Daten.

Um die Vereinbarkeit von Schutz und Nutzung der Meere kontinuierlich zu verbessern und das Wissen über die Meere kontinuierlich zu vertiefen, arbeitet das BSH in der maritimen anwendungsorientierten Forschung und an der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Untersuchungen und Bereitstellung von Daten zu Seegangsmessungen in Offshore-Windparks und der Aufbau von Schallmessnetzen in Nord- und Ostsee und die Bereitstellung von Daten und technischen Informationen zu Impulsschall im Meer sind Beispiele dafür. Auch die Entwicklung von Technologien zur Messung von Schiffsemissionen in der Luft gehört dazu. Mit dem BSH Systemlabor Navigation und Kommunikation steht eine Testumgebung für komplexe Navigations- und Kommunikationssysteme zur Verfügung.

(Pressemeldung vom 20.01.2022)
Quelle: BSH Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie | Foto: BSH Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
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