Wirtschaft

Aurubis AG: Die Kupfermail 103 - Aktuelles vom Kupfermarkt

03.12.2012

Aurubis AG Hamburg:
Kupfermail Nr. 103
Editorial
Die USA haben gewählt und in China ist eine neue politische Führung eingesetzt worden. Damit sind die politischen Weichenstellungen für die kommenden Jahre in zwei der wichtigsten Märkte für Kupfer erfolgt. Es muss sich nun zeigen wie die politische Arbeit im einzelnen aussehen wird. In den USA stehen unmittelbar Entscheidungen bevor, wie man mit dem am Jahresanfang 2013 drohenden sogenannten Fiscal cliff umgehen will, den gleichzeitig wirksam werdenden Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Höhe von rund 650 Mrd. USD. Beides zusammen könnte zu einer Rezession führen und damit auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und somit den Kupferbedarf haben. In China wird ebenfalls schnell deutlich werden wie die neue Regierung dem abgeschwächten Wirtschaftswachstum begegnen will. Und in Europa steht in diesen Tagen erneut Griechenland im Mittelpunkt der Krisenbewältigung. Die Entwicklung des Kupfermarktes wird also weiterhin eng mit dem politischen Geschehen verknüpft sein.

Kupfermarkt
Abseits der politischen Ereignisse geraten wir am Kupfermarkt derzeit in eine Phase, die von dem bevorstehenden Jahresende geprägt sein wird. Nachdem zur Zeit der LME-Woche im Oktober noch weitverbreitet Zuversicht anzutreffen war, ist die derzeitige Stimmung am Markt eher wieder von Nüchternheit gekennzeichnet. Man sucht nach Orientierung und ist zur sachlichen Betrachtung der fundamentalen Marktdaten zurückgekehrt. Im physischen Geschäft zeigen sich derzeit wenig Aktivitäten. Man disponiert vorsichtig und setzt auf Flexibilität in der Belieferung mit Kathoden. Es fällt deshalb schwer für das Spot-Geschäft ein repräsentatives Prämienniveau zu nennen. Die Bandbreite ist groß und reicht in Europa von 80 bis 100 US$/t. In China sollen die Prämien für importierte Kathoden derzeit in der Region zwischen 40 und 60 US$/t liegen.

Aurubis AG: Die Kupfermail 103 - Aktuelles vom KupfermarktZudem sind die Verhandlungen für die Jahresverträge 2013 angelaufen und die Überlegungen bei Verarbeitern eher auf das kommende Jahr gerichtet. Nachdem die europäische Aurubis mit einer Kathodenprämie von 86 US$/t in die Jahresverhandlungen gegangen ist, hat auch die chilenische Codelco für Europa eine Prämie von 85 US$/t genannt. Für China sollen Gespräche während des asiatischen CESCO-Treffens geführt werden, das am 28. und 29. November in Shanghai stattfindet. Den japanischen Käufern hatte Codelco ebenfalls eine Jahresprämie 2013 von 85 US$/t offeriert und damit eine Absenkung um 8 US$/t vorgenommen. Insgesamt zeigt die Prämiengestaltung für das kommende Jahr, dass die Nachfrage am Kupfermarkt durchaus als stabil eingestuft wird.

Die gerade veröffentlichten Konjunkturindikatoren in den zentralen Märkten für Kupfer scheinen einen Hinweis darauf zu geben, dass diese Annahme zutreffen könnte, obgleich sich die mögliche Erholung noch in einem sehr frühen Stadium befindet.

In China ist die Wirtschaftsaktivität im November zum ersten Mal seit 13 Monaten gestiegen. Der entsprechende Indikator (preliminary Purchasing Managers' Index) nahm von 49,5 im Oktober auf 50,4 im November zu. Das Überschreiten der 50er-Marke scheint einen Wendepunkt darzustellen und signalisiert für die chinesische Kupfernachfrage 2013 eine bessere Ent-wicklung als in diesem Jahr. Hinzu kommen die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 156 Milliarden US-Dollar, die unter anderem auf den Ausbau des Bahnverkehrs und der Stromversorgung sowie auf den Hausbau zielen. All diese Bereiche sind kupferintensiv. Nach Meinung von Antaike, dem halbstaatlichen chinesischen Research-Unternehmen werden die hieraus entstehenden Effekte auf die Kupfernachfrage jedoch erst ab der zweiten Jahreshälfte 2013 deutlicher zu Tage treten.

Aurubis AG: Die Kupfermail 103 - Aktuelles vom KupfermarktAuch lasten die hohen Kupferbestände in Asien noch auf den Markt. Derzeit sind dort rund 310.000 t Kupfer bei LME und SHFE eingelagert, das sind rund 60 % der Gesamtbörsenbestände. Hinzu kommen die Kupfermengen im Zollager von Shanghai. In den vergangenen Tagen kursierte in den Medien diesbezüglich eine Meldung, dass sie inzwischen die Höhe von einer Million Tonnen erreicht hätten. Das ist anzuzweifeln, da vor wenigen Wochen noch über eine Menge von 600.000 bis 700.000 t berichtet worden war. Ein Mengensprung von über 300.000 t in so kurzer Zeit erscheint wenig realistisch, zumal die Importe von raffiniertem Kupfer im Oktober mit rund 231.000 t um fast 22 % unter denen des Vormonats lagen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Chinas Kupfernachfrage auf dem Weg zur Besserung ist, dass hieraus kurzfristig aber keine Nachfrageimpulse zu erwarten sein dürften.
Auch in den USA entwickelte sich die Wirtschaftstätigkeit positiv bei abnehmenden Arbeitslosenzahlen. Für Kupfer positiv ist in Nordamerika insbesondere der Automobilsektor. Die US-Produktion soll hier 2012 um 9,5 % steigen. Laut CRU International wird die nord-amerikanische Fertigung an Kabelbäumen um über 10 % höher liegen als im Vorjahr.

In Europa haben die Zahlen des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal 2012 die Zuversicht etwas getrübt. Mit einem Minus von 0,1 % ist die Euro-Zone de facto in eine Rezession gerutscht. Die deutsche Wirtschaft trotzt jedoch der europäischen Schuldenkrise. Die Stimmung hat sich hier im November überraschend aufgehellt, vor allem in der Industrie und Baubranche. Insbesondere die Geschäftserwartungen drehten ins Positive. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, stieg von 100,0 auf 101,4 Punkte.

Auch wenn die Wirtschaftsleistung in der Eurozone niedrig bleiben sollte, wird der Grundbedarf an Kupfer weiterhin vorhanden sein. Europa ist immer noch Nettoimporteur von Kathoden, die Kupferbestände in den Lagerhäusern der LME sind weiterhin gering. Die plötzliche Zunahme um 21.300 t am 26. Oktober ist kein Zeichen einer Abnahmekrise sondern soll auf die Akti-onen eines einzelnen Händlers zurückzuführen sein. Die Problematik der wirklichen physischen Verfügbarkeit von Kupferbeständen bei Metallbörsen besteht fort.
Die Kupferpreise an der LME haben Mitte Oktober ihr Niveau von über 8.000 US$/t verlassen und sich zwischen 7.600 und 7.800 US$/t etabliert. Dort scheint eine gute Unterstützung vorhanden zu sein. Wesentlich für den Preisrückgang war das abflauende physische Geschäft und die Zunahme der Kupferbestände an allen drei Metallbörsen.
Kupferrohstoffe und Kupferprodukte

Anfang November wurde bekanntgegeben, das Oyu Tolgoi, die mongolische Kupfermine, die eines der vielversprechendsten neuen Minenprojekte darstellt, in weniger als drei Monaten seine Produktion aufnehmen wird, nachdem jetzt ein Energieliefervertrag mit China abgeschlossen worden ist. Verhandlungen darüber hatten zu Verzögerung geführt. Wenn das Projekt seine volle Fördermenge erreicht, wird Oyu Tolgoi zu den fünf größten Kupferminen der Welt gehören. Seine Reserven werden auf 41 Milliarden pound Kupfer und 21 Millionen Unzen Gold geschätzt. Seine jährliche Konzentratproduktion liegt im Vollbetrieb bei 470.000 t Kupfer im Konzentrat. Auch beim brasilianischen Salobo-Projekt hat nach Verzögerungen die Produktion begonnen. Die erste Verschiffung von Konzentrat ist erfolgt. Beide Meldungen unterstreichen die veränderte Situation am Markt für Kupferkonzentrate. Zusätzlich werden zahlreiche Wartungsstillstände bei Hütten 2013 die Nachfrage reduzieren und den Trend hin zu höheren TC/RCs verstärken. Allein Aurubis plant für den Herbst 2013 einen längeren Wartungsstillstand der allein zu einem Nachfrageausfall von rund 150.000 t Konzentrat führen wird.

Zwar gestalten sich die Jahresverhandlungen schwierig, da die Verhandlungspositionen von Minenunternehmen und asiatischen Hütten auseinander liegen, im Spot-Geschäft hält der Trend zu höheren TC/RCs jedoch an. Die Hütten fordern derzeit TC/RCs in Höhe 80 US$/t und 8 cents/lb.

Am europäischen Altkupfermarkt hat sich der Rückgang des Kupferpreises seit Anfang Oktober um 8 bis 9 % bemerkbar gemacht. Der Handel offeriert weniger Mengen. Dies muss jedoch auch vor dem Hintergrund des guten Angebots im September gesehen werden. Die Kupferpreise waren zu dieser Zeit auf den höchsten Stand seit Mitte Mai gestiegen und hatten zu gutem Geschäft geführt. Nun müssen die Mengen in der Versorgungskette erst wieder angesammelt werden. Die Abnehmer haben sich weitgehend eingedeckt. Sie verfügen damit über eine gute Versorgung und sehen keine zwingende Notwendigkeit zu prompten Käufen.
Die europäische Kupferproduktnachfrage leidet weiterhin unter der konjunkturbedingten Bedarfsschwäche. Der Abschwung scheint jedoch gestoppt worden zu sein und eine Stabilisierung des Geschäfts ist zu erkennen. Das Spot-Geschäft verläuft ruhig. Das Geschehen wird vor allem von den Verhandlungen über Jahreskontrakte 2013 dominiert. (Pressemeldung vom 26.11.2012) 

Quelle: Aurubis AG| Foto: Aurubis AG
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