Wissenschaft

30. Meeresumwelt-Symposium: Meeresnutzung und –schutz in Zeiten des Klimawandels standen zur Diskussion

14.06.2021

BSH Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieHamburg | Rostock: Beim 30. vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) organisierten Meeresumweltsymposium drehte sich alles um den Klimawandel. Rund 650 Teilnehmende aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit – damit 50 Prozent mehr als im vorherigen Meeresumweltsymposium 2019 – diskutierten aktuelle Entwicklungen in Forschung und Technik rund um Meeresnutzung und Meeresschutz vor dem Hintergrund des Klimawandels. Die Veranstaltung fand am 8. und 9. Juni 2021 zum ersten Mal rein virtuell statt.  Das BSH organisierte das Symposium im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Die Präsidentin des BSH, Dr. Karin Kammann-Klippstein, hob die Bedeutung der Meere im Zusammenhang mit dem Klimawandel hervor. Das zentrale Ziel des Pariser Klimaabkommens sei es, die Maßnahmen gegen den Klimawandel zu stärken und somit den globalen Temperaturanstieg dieses Jahrhunderts auf deutlich unter 2 °C, besser noch auf 1.5 °C zu begrenzen. Die mehr als 70 % der Erdoberfläche bedeckenden Ozeane nähmen große Mengen an CO2 und Wärme auf und hätten damit entscheidende Relevanz für Ausmaß und Auswirkungen des Klimawandels für die Menschheit. Fakt sei jedoch, dass die Ozeane, und damit auch Nord- und Ostsee, immer wärmer würden, die Fischbestände abnähmen und sich immer mehr Plastik im Meer ansammle: „Klimawandel und Meeresverschmutzung haben globale Auswirkungen und erfordern deshalb ein koordiniertes Handeln der Staatengemeinschaft. Nur wenn wir unsere Verhaltensmuster und Gewohnheiten ändern, können die Auswirkungen des Klimawandels begrenzt werden und die Meeresumwelt wieder in einen guten Zustand zurückfinden.“, so Kammann-Klippstein.

Prof. Dr. Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, ging in seinem Leitvortrag der Frage nach, wie realistisch die Pariser Klimaziele sind. Die Schwierigkeit, Klimaschutz mit anderen, auch legitimen, politischen Interessen in Einklang zu bringen, sei lange unterschätzt worden. Er plädierte für realistische Erwartungen, um Enttäuschungen zu verhindern und betonte, auch wenn die gesetzten Ziele vielleicht nicht vollständig bis 2050 erreicht würden, lohne sich jede Maßnahme zur Verhinderung eines Fortschreitens des Klimawandels. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsse sich Entscheidendes ändern. Die Aufgabe sei viel größer, als von den meisten vermutet. Auch ein partielles Erreichen der Ziele würde viele Klimarisiken mindern.

In anderen Vorträgen erfuhren die Teilnehmenden zum Beispiel, dass es während der MOSAiC-Expedition erstmalig gelungen ist, umfassende biologische Proben aus dem gesamten Jahresgang des arktischen Meereises und der darunterliegenden Wassersäule zu gewinnen, oder dass sich die Nutzungskonflikte mit der Fischerei in Zukunft intensivieren werden und es einer strategischen Kollaboration zwischen Windkraftbetreibern, Fischerei und Naturschutz bedarf, um zukunftsweisende Lösungsansätze wie die Co-Nutzung von Flächen nachhaltig umzusetzen.

Zum Abschluss betonte Heike Imhoff, Referatsleiterin im BMU, das Symposium habe die wechselseitige Bedeutung von Meeressschutz und Klimaschutz deutlich gemacht. Denn nur gesunde Meere könnten ihre klima- und lebenserhaltende Rolle spielen.

Meeresschutz 2021 verlange die enge Verzahnung von Wissenschaft, Verwaltung und Politik, ganz im Sinne der UN-Dekade für Ozeanwissenschaften für nachhaltige Entwicklung 2021-2030. Hier sei deutlich geworden, dass alle Beteiligten des Meeresumwelt-Symposiums, sei es aus Wissenschaft, Verwaltung oder Politik, sich einig seien, dass die Herausforderungen gemeinschaftlich angegangen werden müssen.

Wegen der Corona-Pandemie fand das Meeresumwelt-Symposium in diesem Jahr erstmals rein virtuell statt. Die Teilnehmenden konnten sich mithilfe von Avataren durch den virtuellen Konferenzraum bewegen, sich spontan kennenlernen, miteinander diskutieren und Ausstellungen im virtuellen Raum besuchen. Die Teilnehmenden begrüßten das digitale Format und wünschen sich auch für kommende Symposien die Möglichkeit, im virtuellen Raum am Meeresumweltsymposium teilnehmen zu können.

Die Präsentationen der Vortragenden und die Exponate anderer Initiativen mit Meeresbezug, die in der Ausstellung diskutiert wurden, auf der Veranstaltungsseite des BSH ansehen und herunterladen.

Das BSH ist die zentrale maritime Behörde Deutschlands. An den beiden Dienstsitzen in Hamburg und Rostock sowie auf 5 Schiffen arbeiten rund 1.000 Beschäftigte aus über 100 Berufen. Im Mittelpunkt der Aufgaben stehen u.a. die Förderung, Sicherheit und Überwachung der Seeschifffahrt, Forschung und Erhebung langer Datenreihen im Bereich der Ozeanographie und Meereschemie, der Wasserstandsvorhersagedienst sowie die nautische Hydrographie, im Rahmen derer amtliche Seekarten erstellt werden. Ein in letzter Zeit stetig anwachsender Bereich ist die Zuständigkeit als Genehmigungs- und Überwachungsbehörde für Offshore-Windenergieanlagen. Als deutsche Flaggenstaatsverwaltung und Dienstleister unterstützt das BSH die maritime Wirtschaft mit Genehmigungen, Haftungsbescheinigungen, Produktprüfungen, Zulassungen und Bereitstellung von Daten.

Um die Vereinbarkeit von Schutz und Nutzung der Meere kontinuierlich zu verbessern und das Wissen über die Meere kontinuierlich zu vertiefen, arbeitet das BSH in der maritimen anwendungsorientierten Forschung und an der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Untersuchungen und Bereitstellung von Daten zu Seegangsmessungen in Offshore-Windparks und sowie der Aufbau von Schallmessnetzen in Nord- und Ostsee und die Bereitstellung von Daten und technischen Informationen zu Impulsschall im Meer sind Beispiele dafür. Auch die Entwicklung von Technologien zur Messung von Schiffsemissionen in der Luft gehört dazu. Mit dem BSH Systemlabor Navigation und Kommunikation steht eine Testumgebung für komplexe Navigations- und Kommunikationssysteme zur Verfügung.

(Pressemeldung vom 11.06.2021)
Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie | Foto: BSH
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