Schlagzeilen
DIW Berlin: Finanz- und Wirtschaftskrisen erkennen und vermeiden
Sonntag, der 18.September 2011
Berlin: Ein Frühwarnsystem für Immobilienpreisblasen und ein verändertes Weltwährungssystem könnten dazu beitragen, künftige Finanz- und Wirtschaftskrisen frühzeitiger zu erkennen, ihnen rechtzeitig entgegenzuwirken und somit dem Weltwirtschaftssystem zu größerer Stabilität zu verhelfen. Die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben in der Krise stabilisierend gewirkt, sollten jetzt aber Reformen ergreifen, um ihren Wachstumsprozess – der für die Weltwirtschaft immer wichtiger wird  – nachhaltig abzusichern. Das ist das Fazit des neuen Wochenberichtes „Krisen erkennen, Krisen vermeiden“, den das Forschungscluster „Gesamtwirtschaftliche Analyse und Weltwirtschaft“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) am Mittwoch veröffentlicht.
 
Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise ist durch die leichtfertige Kreditvergabe vieler Banken und das Platzen der US-Immobilienblase 2007/2008 ausgelöst worden. Das plötzliche Ende spekulativ bedingter Immobilienblasen kann eine Volkswirtschaft über lange Zeit belasten: Produktion und Arbeitsmarkt brechen ein, durch Steuerausfälle und Konjunkturprogramme steigen die Staatsschulden, die Wachstumsaussichten verschlechtern sich weiter. Das DIW Berlin hat im Auftrag des Bundesfinanzministeriums ein Frühwarnsystem entwickelt, mit dem spekulative Preisblasen erkannt werden können. „Das Entstehen von Immobilienpreisblasen ist ein komplexer Prozess. Entscheidend sind vor allem die Kreditbedingungen, die kurzfristigen Zinsen und die Geldmenge“, sagt DIW-Experte Konstantin Kholodilin, der das Frühwarnsystem gemeinsam mit Christian Dreger, Leiter der Abteilung Makroökonomie, erarbeitet hat. „Spekulative Blasen sind nur schwer von konjunkturbedingten Entwicklungen zu unterscheiden. Damit besteht auch das Risiko, dass substanziell bedingte Preisentwicklungen fälschlicherweise als Blase interpretiert werden und die Wirtschaftspolitik frühzeitig zu restriktiv wird“, so Dreger. Das DIW-Modell ermöglicht eine frühzeitige Diagnose einer Immobilienblase, so dass die Politik rechtzeitig mit geeigneten Maßnahmen gegensteuern kann. „Möglich ist etwa eine Verschärfung der Regeln für die Kreditvergabe, damit die Banken nicht zu viele Kredite an Haushalte vergeben können, oder eine Erhöhung der Transaktionskosten für den Kauf einer Immobilie“, so Kholodilin.
 
Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch die Schwächen des Weltwährungssystems offengelegt. Das DIW Berlin hat im Auftrag des Bundesfinanzministeriums deswegen nach stabileren Alternativen zum bestehenden System gesucht. Generell, so urteilen die DIW-Experten Ansgar Belke, Kerstin Bernoth und Ferdinand Fichtner, sind weder komplett freie noch komplett feste Wechselkurse zu empfehlen. Die Experten plädieren deswegen für ein Mischsystem mit  einigen wenigen großen Währungsräumen, die durch flexible Wechselkurse miteinander verbunden sind. „Hilfreich wäre, wenn sich neben dem US-Dollar auf lange Sicht auch der Euro und der chinesische Renminbi als Leitwährung etablieren können“, sagt DIW-Forschungsdirektor Ansgar Belke. Für  ein solches multipolares Leitwährungssystem müsste die regionale monetäre Integration der Währungsräume vorangetrieben werden. „Grundsätzlich ist auch eine Erweiterung des Euroraumes  anzustreben. Allerdings sollten dabei nicht die Probleme der Vergangenheit wiederholt, sondern eine größere wirtschaftliche Homogenität angestrebt werden“, so DIW-Forscherin Kerstin Bernoth. Um den Euro dauerhaft als Reserveleitwährung an den Kapitalmärkten zu platzieren, ist nach DIW-Einschätzung vor allem eine bessere Abstimmung der Wirtschaftspolitik in den Euro-Mitgliedsländern erforderlich. „Die deutsche Politik sollte sich deshalb für eine verstärkte wirtschaftspolitische Koordinierung im Euroraum einsetzen“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Das erfordere auch die Abgabe von wirtschaftspolitischen Kompetenzen an die europäische Ebene, so der DIW-Forscher.
 
Wirtschaftlich stabilisierende Effekte gingen in der jüngsten Krise von den Schwellenländern aus. Insbesondere die BRICS-Staaten weisen hohe gesamtwirtschaftliche Zuwachsraten auf, haben sich von der Krise sehr schnell wieder erholt und durch ihre Importe die Exporte vieler europäischer Länder gestützt. Den BRICS-Staaten kommt deshalb in der momentan labilen Wirtschaftslage eine besondere Bedeutung zu. „Der Anteil der BRICS an der Weltproduktion steigt. Dennoch bleibt der Einkommensabstand zu den  Industrieländern erheblich“, so DIW-Forschungsprofessorin Mechthild Schrooten. Zu einem wesentlichen Entwicklungshemmnis könnten sich künftig schwache Bildungs- und Gesundheitssysteme entwickeln. Der Zugang zu Bildung und einem leistungsfähigen Gesundheitswesen – besonders für Frauen – muss in den meisten BRICS-Staaten verbessert werden. „Hier ist staatliche Intervention gefordert. Die BRICS-Staaten kennen die Problemfelder.“ (Pressemeldung vom 14.09.2011)
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
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